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Grundlagen

Grippeimpfung bei MS – ja oder nein?

7 Minuten

Veröffentlicht am 05.12.2018  von  trotz ms Redaktion

Mit der bevorstehenden kalten Jahreszeit rollt auch die nächste Grippewelle wieder auf uns zu. Der beste Schutz: die jährliche Influenza-Impfung! Das gilt auch für Menschen mit MS – auch und gerade für diejenigen, die eine Therapie erhalten, die sich auf das Immunsystem auswirkt.

Krankes Pärchen auf einem Sofa die Nase putzend

Grippeimpfung: Auch bei MS ein Thema

Die Grippewelle der Saison 2017/2018 verlief mit etwa 334.000 bestätigten Fällen besonders schwer. Im Vergleich zu einem grippalen Infekt stellt die „echte Grippe“ – die Influenza – ein weitaus höheres Gesundheitsrisiko dar. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut empfiehlt daher besonders gefährdeten Personen die jährliche Grippeimpfung. Zu den Risikogruppen zählen Menschen ab 60 Jahren, medizinisches Personal, Schwangere und chronisch Kranke. Dabei richtet sich die Empfehlung ausdrücklich auch an Menschen mit MS. Aus gutem Grund: Bei MS-Betroffenen verläuft die Grippe durchschnittlich schwerer und macht häufiger einen Krankenhausaufenthalt notwendig als bei Menschen ohne Grunderkrankung. Darüber hinaus zeigen Untersuchungen, dass sich das Risiko für Schübe durch die Grippe deutlich erhöht, die zudem nachhaltigere Nervenschäden anrichten können. Mit der Grippeimpfung kannst Du Dich davor schützen.

Impfung trotz MS-Therapie

Einige MS-Therapien wirken sich auf das Immunsystem aus und können so auch die Abwehr schwächen. Damit Dein Körper den Influenzaviren trotzdem etwas entgegenzusetzen hat, solltest Du ihn mit der Grippeimpfung dafür rüsten. Eine geschwächte Abwehr kann möglicherweise dazu führen, dass der Körper nicht ganz so gut auf die Impfung anspricht. Hier besteht die Möglichkeit, den Impferfolg nach einigen Wochen anhand einer Blutprobe zu kontrollieren. Letztlich profitierst Du aber selbst bei einer abgeschwächten Impfantwort vom Schutz der Grippeimpfung. Besprich dies und den für Dich besten Zeitpunkt für die Grippeimpfung am besten mit Deinem Neurologen.

Mythos "Impfungen lösen MS-Schübe aus"

Hier kannst Du ganz beruhigt sein. Viele Studien zeigen überzeugend, dass eine Impfung mit einem Totimpfstoff den Krankheitsverlauf der MS nicht beeinflusst. Ein Totimpfstoff enthält abgetötete Erreger oder nur Bestandteile davon, die sich nicht mehr vermehren können. Die in Deutschland für die Grippeimpfung zugelassenen Substanzen bestehen aus einem Totimpfstoff. Eine Ausnahme bildet ein für Kinder und Jugendliche zugelassenes Nasenspray zur Grippeimpfung, das einen abgeschwächten Lebendimpfstoff enthält.

Als mögliche Nebenwirkungen der Grippeimpfung können – mit und ohne MS – vorübergehend Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Abgeschlagenheit auftreten. Die Injektionsstelle – meist am Oberarm – kann sich röten, etwas anschwellen und druckempfindlich sein. Diese Begleiterscheinungen klingen in der Regel aber nach ein bis zwei Tagen wieder ab.

Alle Jahre wieder

Masern, Röteln oder Tetanus – hier muss häufig nur alle zehn Jahre oder sogar nur einmalig geimpft werden. Die Grippeimpfung sollte dagegen jedes Jahr aufs Neue erfolgen. Warum ist das so? Das Influenza-Virus ist ein wahrer Verwandlungskünstler: Es besitzt auf seiner Oberfläche zwei Strukturen. Diese sind für unser Immunsystem wichtig, um das Virus zu erkennen. Die Strukturen kommen in verschiedenen Varianten vor, die immer neue Kombinationen bilden – so verändert sich das Virus ständig. Deshalb wird die Zusammensetzung des Impfstoffs jährlich an die veränderten Eigenschaften des Virus angepasst. Um also für die in der kommenden Saison vorherrschenden Virus-Varianten gewappnet zu sein, solltest Du Dich jedes Jahr neu gegen Grippe impfen lassen.

Der beste Zeitpunkt

Die Grippewelle rollt meist zu Beginn des Jahres über das Land, kann aber auch schon früher beginnen. Um rechtzeitig einen ausreichenden Schutz aufzubauen, empfehlen Experten die Grippeimpfung im Oktober und November.

Ansteckung vermeiden

Auch die Impfung bietet keinen hundertprozentigen Schutz vor der Grippe. Zudem kann sie Dich nicht vor anderen Krankheiten wie einem grippalen Infekt oder einer Magen-Darm-Grippe bewahren. Mit einfachen Hygieneregeln kannst Du Ansteckungen vorbeugen: Wasche Dir regelmäßig die Hände und vermeide den Kontakt zu erkrankten Personen.

Kurz & Knapp

Bei MS-Betroffenen kann die Grippe besonders schwer verlaufen und Schübe auslösen. Die jährliche Grippeimpfung bietet einen guten Schutz und wird allen Menschen mit MS empfohlen.

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