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Forschung

Wie man rechtzeitig Jugendliche mit hohem MS-Risiko identifiziert

7 Minuten

Veröffentlicht am 03.01.2018 von Onmeda

Multiple Sklerose lässt sich in Zukunft vielleicht bei Jugendlichen schon vor dem Ausbruch der ersten Symptome entdecken. MRT-Bilder vom Gehirn zeigen früheste Schäden an den schützenden Nervenhüllen.

Fünf springende Jugendliche

Multiple Sklerose lässt sich in Zukunft vielleicht bei Jugendlichen schon vor dem Ausbruch der ersten Symptome entdecken. MRT-Bilder vom Gehirn zeigen früheste Schäden an den schützenden Nervenhüllen.

Eine multiple Sklerose (MS) diagnostizieren Ärzte meist erst, wenn Patienten bereits erste Symptome verspüren. Dazu gehören Bewegungs- und Gefühlsstörungen, Sehprobleme oder Lähmungserscheinungen. Jetzt haben Forscher der Yale University School of Medicine (USA) einen neuen Weg gefunden, um die MS bei Teenagern schon frühzeitig zu entdecken: die Magnetresonanztomografie, kurz MRT.

Die Methode soll erste Anzeichen der Nervenerkrankung auf Bildern des Gehirns und Rückenmarks sichtbar machen, wenn noch gar keine Beschwerden auftreten. Jugendliche, bei denen sich Nervenschäden in der MRT-Röhre nachweisen ließen, hatten ein höheres Risiko, später MS-Symptome zu entwickeln, lautet eines der Studienergebnisse. Damit ließen sich junge Menschen mit einem hohen MS-Risiko rechtzeitig identifizieren, um sie dann entsprechend zu behandeln, hoffen die Forscher.

Sichtbare Schäden – aber keine Symptome

An der Studie nahmen 38 Jugendliche aus sechs Ländern teil, mehr als zwei Drittel davon waren Mädchen. Im Schnitt waren sie 15 Jahre alt. Alle litten unter dem sogenannten "radiologisch isolierten Syndrom" (RIS, englisch: "radiologically isolated syndrome"): Sie haben zwar noch keine MS-Symptome. Aber auf den MRT-Bildern lassen sich schon Veränderungen nachweisen, die auf einen Verlust der schützenden Myelinschicht um die Nervenzellen herum hindeuten.

Die Jungen und Mädchen hatten sich aus anderen Gründen einer MRT des Gehirns unterzogen, zum Beispiel wegen Kopfschmerzen (mehr als die Hälfte der Fälle), Depressionen, Epilepsie oder einer Gehirnerschütterung. Bislang ist das RIS nur aus Studien mit Erwachsenen bekannt. Laut Studienlage entwickeln etwa ein Drittel der RIS-Patienten mit der Zeit MS-Symptome. Die Teenager wurden im Schnitt über fünf Jahre beobachtet. Bei 29 Studienteilnehmern nahmen die Forscher zudem MRT-Scans des Rückenmarks auf, bei 23 entnahmen sie Rückenmarksflüssigkeit per Lumbalpunktion und untersuchten sie.

Antikörper und Nervenschäden im Rückenmark

Innerhalb von etwa zwei Jahren, nachdem Auffälligkeiten im MRT entdeckt worden waren, entwickelten 42 Prozent der Jugendlichen MS-Symptome. 57 Prozent der Probanden wiesen Antikörper in der Rückenmarksflüssigkeit auf. Diese Jugendlichen hatten ein elfmal höheres Risiko, MS-Symptome zu bekommen, als Jugendliche ohne diese speziellen Antikörper. 17 Prozent der Jugendlichen zeigten Nervenschäden im Rückenmark. Ihr Risiko für MS-Symptome lag achtmal höher.

Zudem entdeckten die Forscher bei einem hohen Prozentsatz der Jugendlichen (61 Prozent) bei weiteren MRT-Kontrolluntersuchungen neue Myelinschäden. "Jugendliche mit RIS gehören vielleicht zu einer Hochrisikogruppe, die man engmaschiger als bisher auf die Entwicklung von multipler Sklerose kontrollieren muss", sagt die Studienautorin Naila Makhani. Auch wenn die Zahl der Studienteilnehmer klein war – die Daten deuten darauf hin, dass junge Personen mit RIS früher als Erwachsene MS-Anzeichen entwickeln, so die Forscher. Bei diesen liegt der Zeitraum zwischen Auftreten von Veränderungen im MRT und den ersten MS-Beschwerden bei etwa fünf Jahren.

Fünf Studienteilnehmer mit RIS erhielten im Rahmen der Studie Interferon beta-1a, bevor die Symptome einsetzten, um den Krankheitsausbruch zu verhindern. Drei davon zeigten keinerlei Krankheitssymptome im nachfolgenden Beobachtungszeitraum von einigen Jahren. Die Anzahl der Patienten sei aber zu gering gewesen, um Rückschlüsse auf die Wirksamkeit der Behandlung zu ziehen, warnen die Wissenschaftler.

Welche Behandlung ist sinnvoll?

Die Studienergebnisse zeigen, dass Jugendliche mit RIS viele Charakteristika aufweisen, die denen bei Erwachsenen ähnlich sind. Weil Schäden an den Nervenzellen eindeutig mit MS-Symptomen verknüpft seien, sollten sich diese Teenager regelmäßig MRT-Scans unterziehen, empfehlen die Forscher. So ließen sich jene Betroffenen herausfiltern, die Ärzte engmaschiger kontrollieren sollten. Auch müssten Neurologen zukünftig RIS-Behandlungsrichtlinien für diese Altersgruppe entwickeln, fordern die Wissenschaftler.

Quelle:

Makhani, N. et al.: Radiologically isolated syndrome in children. Neurology: Neuroimmunology & Neuroinflammation (2017)

*Quelle: www.onmeda.de

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