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Forschung

Schützt Fisch die Nerven?

7 Minuten

Veröffentlicht am 23.05.2018 von Onmeda

Fisch ist gesund fürs Herz und die Gefäße. Das ist bekannt. Aber kann es auch die Nervenzellen schützen und das Risiko für multiple Sklerose senken, wenn man regelmäßig Fisch isst? Dies vermutet eine neue Studie.

Mädchen sitzt auf einer Mauer mit Fisch-Graffiti

Fischsorten wie Thunfisch, Hering, Sardinen, Lachs oder Makrele sind gesund. Sie enthalten vergleichsweise große Mengen an Omega-3-Fettsäuren, die ein wichtiger Bestandteil der mediterranen Ernährung und gut für Herz und Gefäße sind. Doch vielleicht können die ungesättigten Fettsäuren noch mehr: Wer regelmäßig Fisch ist, senkt sein Risiko für multiple Sklerose (MS). So lautet jedenfalls das Ergebnis einer Studie, die US-Forscher auf dem Jahrestreffen der American Academy of Neurology in Los Angeles präsentiert haben.

Wie oft kommt Fisch auf den Tisch?

An der Studie nahmen 1.153 Personen teil, die im Durchschnitt 36 Jahre alt waren. Die Hälfte der Probanden litt unter multipler Sklerose beziehungsweise dem klinisch isolierten Syndrom (CIS). Bei ihnen zeigen sich erste neurologische Störungen, die auf ein bestimmtes Gebiet begrenzt sind, etwa den Sehnerv. Das CIS gilt als Frühform der multiplen Sklerose. Die andere Hälfte der Studienteilnehmer war gesund und diente als Kontrollgruppe.

Die Forscher nahmen die Ernährungsgewohnheiten der Teilnehmer unter die Lupe. Sie wurden gefragt, wie viel Fisch sie gewöhnlich pro Woche aßen. Am häufigsten standen Fischsorten und Meeresfrüchte wie Garnelen, Lachs und Thunfisch auf dem Speisezettel. Einen hohen Fischkonsum definierten die Forscher so: Wenigstens eine Portion Fisch pro Woche oder ein- bis dreimal Fisch pro Monat oder ein tägliches Nahrungsergänzungsmittel mit Fischöl. Als niedrigen Fischkonsum sahen es die Forscher an, wenn die Probanden weniger als einmal monatlich Fisch verzehrten und keine Produkte mit Fischöl einnahmen.

Fischkonsum senkt offenbar das MS-Risiko

Wer viel Fisch verzehrte, hatte ein um 45 Prozent niedrigeres Risiko, an multipler Sklerose oder dem CIS zu erkranken, als Studienteilnehmer, bei denen weniger als einmal im Monat Fisch auf den Teller kam und die keine Fischöl-Präparate schluckten. Von den Patienten mit MS hatten nur 180 Probanden einen hohen Fischkonsum im Vergleich zu 251 bei den gesunden Kontrollpersonen.

"Der Konsum von Fisch mit Omega-3-Fettsäuren bringt nachweisbar positive Effekte für die Gesundheit", fasst Studienautorin Annette Langer-Gould von der Southern California Permanente Medical Group in Pasadena (USA) zusammen, der Forschungseinheit einer großen Krankenversicherung mit mehr als vier Millionen Mitgliedern. So könne womöglich regelmäßiger Fischkonsum – also eine vergleichsweise einfache Lebensstiländerung – auch das Risiko für MS senken.

Gene spielen beim MS-Risiko mit

Die Forscher kamen aber noch zu einer anderen Erkenntnis: Einige Menschen scheinen ihren Fettsäurespiegel im Körper besser regulieren zu können als andere. Die Wissenschaftler untersuchten zusätzlich 13 Genvarianten, welche an der Steuerung des Fettsäurespiegels beteiligt sind. Zwei dieser genetischen Varianten waren tatsächlich mit einem niedrigeren Risiko für multiple Sklerose verbunden. Dies könnte bedeuten, dass einige Menschen einen genetischen Vorteil haben, wenn es um die Regulierung der Fettsäuren im Körper geht, spekulieren die Forscher.

Auch wenn die Omega-3-Fettsäuren und die Art und Weise, wie sie der Körper verwertet, beim MS-Risiko mitspielen – die Studienergebnisse zeigen nur, dass es einen Zusammenhang zwischen beidem gibt. Die Beziehungen zwischen den Ursachen und Wirkungen bei MS seien noch unklar, betont Studienautorin Langer-Gould. Jetzt müssten weitere Studien untersuchen, wie genau die Omega-3-Fettsäuren die Entzündungen, den Stoffwechsel und die Nervenfunktion beeinflussen.

Auch in der Behandlung von MS haben Forscher die Wirkung von Omega-3-Fettsäuren schon getestet. Diese hatten jedoch keine Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf von Patienten mit multipler Sklerose. Grundsätzlich sind sich Mediziner aber einig: Regelmäßig Fisch zu essen ist gesund!

Quellen:

Langer-Gould, A. et al.: Fish, Fatty Acid Biosynthesis Genes, and Multiple Sclerosis Susceptibility. Neurology (April 2018)

Online-Informationen der Selbsthilfevereinigung AMSEL e.V.: www.amsel.de (Abrufdatum: 4.5.2018)

*Quelle: www.onmeda.de

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