Zurück
Forschung

Schon Jahre vor der Diagnose gehen MS-Patienten gehäuft zum Arzt

6 Minuten

Veröffentlicht am 10.01.2018 von Onmeda

Schon einige Jahre, bevor die Diagnose multiple Sklerose steht, spüren Patienten, dass in ihrem Körper etwas falsch läuft. Sie suchen deshalb öfters einen Arzt auf, wie eine aktuelle Studie zeigt. Unklar ist bislang, welche der vielen uncharakteristischen Symptome tatsächlich mit MS in Verbindung stehen.

Drei Personen warten beim Arzt.

Schon einige Jahre, bevor die Diagnose multiple Sklerose steht, spüren Patienten, dass in ihrem Körper etwas falsch läuft. Sie suchen deshalb öfters einen Arzt auf, wie eine aktuelle Studie zeigt. Unklar ist bislang, welche der vielen uncharakteristischen Symptome tatsächlich mit MS in Verbindung stehen.

Die ersten Anzeichen der Nervenerkrankung multiple Sklerose (MS) zeigen sich vielleicht viel früher als bisher gedacht: Bis zu fünf Jahre, bevor die MS richtig beginnt, spüren viele Patienten, dass mit ihnen und ihrem Nervensystem irgendetwas nicht stimmt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Djavad Mowafaghian Centre for Brain Health in Vancouver (Kanada).

Die Forscher um die Seniorautorin der Studie, Helen Tremlett, sehen in diesem Ergebnis einen wichtigen Hinweis für Ärzte. Diese könnten die neurologische Erkrankung MS möglicherweise früher feststellen und damit auch früher mit der passenden Behandlung beginnen. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler im renommierten Fachmagazin Lancet Neurology veröffentlicht.

Vielfältige Frühwarnzeichen

Die Forscher analysierten die Gesundheitsdaten von mehr als 14.400 Patienten mit multipler Sklerose. Gesammelt hatten die Daten drei kanadische MS-Zentren im Verlauf von über 20 Jahren. Diese verglichen die Studienautoren mit den Daten von rund 72.000 Patienten, die nicht an MS erkrankt waren. Dabei fahndeten sie speziell nach uncharakteristischen Vorzeichen und Frühsymptomen der Erkrankung.

Solche Frühwarnzeichen wurden schon bei anderen neurologischen Krankheiten gefunden, etwa bei der Alzheimer-Krankheit oder Morbus Parkinson. Menschen, die noch gar nicht wissen, dass sie an Parkinson leiden, haben beispielsweise oft schon Jahre vorher Schlafstörungen, Albträume, Halluzinationen, sind antriebslos oder ermüden schnell. Untypische Frühwarnzeichen könnten helfen, den Zeitpunkt festzustellen, bevor die schützende Myelinschicht um die Nervenfasen angegriffen wird. Die Behandlung der MS könnte dann früher beginnen.

Häufigere Arztbesuche, mehr Medikamente

Die Wissenschaftler identifizierten eine Phase, in der Patienten bereits unspezifische Symptome an sich bemerken, bevor Ärzte die Diagnose multiple Sklerose stellen. In diesem Zeitraum – von einem bis fünf Jahre vor der Diagnose – stieg die Anzahl der Arztbesuche kontinuierlich an: zwölf Monate, bevor Ärzte MS festgestellt hatten, um 88 Prozent. Die Patienten wurden zudem gehäuft ins Krankenhaus überwiesen, um Symptome abzuklären. Die Rate der Klinikeinweisungen lag um 78 Prozent höher als bei der Allgemeinbevölkerung. Zudem verschrieben Ärzte häufiger Medikamente gegen die Beschwerden.

"Der Nachweis, dass Menschen mit multipler Sklerose ihr Verhalten schon fünf Jahre vor der Diagnose MS ändern, ist äußerst wichtig", betont Studienautorin Tremlett. "Wir müssen uns diesen Zeitraum genauer ansehen, um besser zu verstehen, wo die Wurzel der Erkrankung liegt." Jedenfalls ließen die Untersuchungen vermuten, dass schon viel früher etwas vor sich gehe, so die Tremlett. "Wir hoffen, den Schleier zu lüften, was dies genau bei multipler Sklerose sein könnte."

Suche nach eindeutigen Mustern

Als nächstes wollen die Forscher herausfinden, warum die Patienten das Gesundheitssystem plötzlich intensiver genutzt haben. Interessant ist außerdem, ob sich Trends in den dokumentierten Beschwerden und ärztlichen Verschreibungen abzeichnen, die Rückschlüsse auf eine spezielle Konstellation von Symptomen ziehen lassen. MS kann mit so unterschiedlichen Symptomen beginnen, dass selbst erfahrene Ärzte Schwierigkeiten haben, die Krankheitszeichen richtig zu deuten und einzuordnen.

Quelle:

Wijnands, JMA et al.: Health-care use before a first demyelinating event suggestive of a multiple sclerosis prodrome: a matched cohort study. Lancet Neurology (Juni 2017)

*Quelle: www.onmeda.de

Deine Empfehlungen

Newsletter

Infomaterial

Hier kannst Du kostenfrei Deine trotz ms Materialien downloaden oder bestellen und trotz ms DAS MAGAZIN abonnieren.

Zum Infomaterial