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Forschung

Salzkonsum hat keinen Einfluss auf MS-Verlauf

7 Minuten

Veröffentlicht am 27.12.2017 von Onmeda

Ein erhöhter Salzkonsum steht im Verdacht, multiple Sklerose auszulösen oder den Verlauf ungünstig zu beeinflussen. Was ist dran? Eine aktuelle Studie bringt jetzt neues Licht ins Dunkel.

Schüssel mit grobem Salz

Ein erhöhter Salzkonsum steht im Verdacht, multiple Sklerose auszulösen oder den Verlauf ungünstig zu beeinflussen. Was ist dran? Eine aktuelle Studie bringt jetzt mehr Klarheit.

Löst Salz aus dem Essen die Nervenerkrankung multiple Sklerose (MS) aus? Diesen Zusammenhang hatten in der Vergangenheit einige Laborstudien an Zellen und Tieren vermuten lassen. Dem widersprechen jetzt Forscher von der Universität Bergen in Norwegen: Ein höherer Konsum von Natrium, das die meisten Menschen über das Speisesalz in ihrer Ernährung aufnehmen, beeinflusse das MS-Risiko nicht. Natrium sei kein Trigger für multiple Sklerose, lautet ihr Fazit. Die Ergebnisse haben sie im renommierten Fachblatt Neurology veröffentlicht.

Die Forscher um Marianna Cortese analysierten die Daten von mehr als 175.000 Frauen aus zwei großen US-amerikanischen Studien, die zwischen 1984 und 2007 durchgeführt worden waren. Die Teilnehmerinnen beantworteten jedes Jahr einen Fragebogen zu ihrer Gesundheit. Alle vier Jahre gaben sie Auskunft zu ihrem Ernährungsverhalten, unter anderem zu ihrem Salzkonsum. Die Forscher berücksichtigten dabei nicht nur das Speisesalz aus dem Streuer, sondern auch den Verzehr von Lebensmitteln mit viel Salz wie Sandwiches, Pizza, Käse, Snacks sowie Nudel- oder Fleischgerichte. Auch andere Natriumquellen wie Glutamat, einen Geschmacksverstärker, und Natriumbikarbonat (Natron) rechneten sie mit ein.

Risikofaktor Natrium?

Während der Studiendauer erhielten 479 Teilnehmerinnen eine MS-Diagnose. Einen Zusammenhang erkannten die Forscher zwischen einer erhöhten Salzaufnahme und einem höheren Body-Mass-Index (BMI) oder starkem Nikotinkonsum: Wer also viel Salz zu sich nimmt, ist tendenziell auch eher übergewichtig oder raucht.

Keine Verbindung konnten die Wissenschaftler erkennen zwischen der Natriumaufnahme und einem erhöhten MS-Risiko. Auch als sie die Probandinnen in zwei Gruppen aufteilten – jene mit dem höchsten und die andere dem niedrigsten Salzkonsum – war kein Zusammenhang mit der MS zu entdecken. Danach analysierten sie Raucherinnen und Nichtraucherinnen separat. Auch hier ließ sich nicht nachweisen, dass Natriumkonsum und MS etwas miteinander zu tun hätten.

Äußerst geringe Wahrscheinlichkeit

Ein großer Unterschied also zu den Ergebnissen aus früheren Tierstudien: Dies liege laut den Forschern aus Norwegen daran, dass den Tieren viel höhere Natriumdosen gefüttert worden waren, als Menschen je freiwillig zu sich nehmen würden. Selbst Personen mit dem höchsten Salzkonsum reichten nicht an die Dosierung aus den Untersuchungen mit Mäusen heran.

Allerdings, so schränken die Studienautoren ein, würden einige Faktoren die Aussagekraft der Studienergebnisse begrenzen. Ein wesentlicher Schwachpunkt ist die Tatsache, dass nur Frauen an der Studie teilgenommen hatten. Um das Ergebnis zu erhärten, müssten auch Männer in neuen Studien dabei sein. Dennoch sei die Wahrscheinlichkeit, dass Salzkonsum bei Männern das MS-Risiko erhöht, äußerst unwahrscheinlich.

Fazit: Zu viel Salz ist ungesund – unabhängig von MS

Unabhängig davon ist es aber allgemein ungesund, zu viel Salz zu essen. Das gilt für MS-Patienten wie für alle anderen Menschen. Zu viel Natriumchlorid treibt den Blutdruck in die Höhe und ist ein wichtiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät, nicht mehr als sechs Gramm Salz pro Tag zu sich zu nehmen. Diese Menge entspricht etwa einem Teelöffel. Die meisten Deutschen liegen weit über dieser empfohlenen Dosis.

Hintergrund: Salz-MS-Studien an Tieren

Im Jahr 2013 berichteten verschiedene Forscher in Versuchen an Mäusen, dass Kochsalz beeinflusst, wie schwer eine multiple Sklerose ausgeprägt ist. Sie verabreichten den Nagern, die unter einer MS-ähnlichen Erkrankung litten, Natriumchlorid in verschiedenen Dosierungen. Bei Tieren, die viel Salz erhalten hatten, verschlechterte sich die Krankheit extrem stark.

Hierfür gibt es verschiedene Erklärungsansätze: Einige Wissenschaftler vermuten dahinter Probleme mit den Immunzellen, während andere eine geschwächte Blut-Hirn-Schranke als Erklärungsansatz nehmen. Unklar war bislang, ob die Ergebnisse auf Menschen übertragbar sind.

Quellen:

Cortese, M. et al.: No association between dietary sodium intake and the risk of multiple sclerosis. Neurology (2017)

Online-Information der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG): www.dmsg.de (Abrufdatum: 13.12.2017)

*Quelle: www.onmeda.de

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