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Forschung

Myelinregeneration bei MS – wenn sich der Körper selbst repariert

5 Minuten

Veröffentlicht am 12.01.2021  von  trotz ms Redaktion

Dein Körper kann Unglaubliches: Wenn Du Dich schneidest, verschließt er Deine Wunden von selbst und auch das Wachsen von Fingernägeln und Haaren funktioniert ganz ohne Dein Zutun. Selbst die durch MS hervorgerufenen Schädigungen an den Myelinscheiden können bis zu einem gewissen Grad wieder von selbst regenerieren. Ist das nicht mehr der Fall, könnten in Zukunft Medikamente weiterhelfen. Dazu gibt es verschiedene Forschungsansätze.

Nervenzellen

Zur Erinnerung: Die Myelinscheiden umgeben die kabelähnlichen Verbindungen der Nervenzellen, Axone genannt. Sie schützen die Nervenfasern und ermöglichen eine schnellere Reizweiterleitung. Kommt es wie bei der MS zu einer Schädigung der Myelinscheiden, können die Nervenimpulse nicht mehr richtig weitergeleitet werden und es kommt zu Beeinträchtigungen. Dies macht sich durch einen Schub bemerkbar

Die natürliche Regeneration von Myelinscheiden

Nach einem Schub können sich diese Beeinträchtigungen jedoch zurückbilden. Das liegt daran, dass Dein Körper in der Lage ist, bis zu einem gewissen Grad die Myelinscheiden zu regenerieren (Remyelinisierung). Bei jungen Menschen funktioniert diese Regeneration besser als bei älteren Menschen und im peripheren Nervensystem (PNS) besser als im zentralen Nervensystem (ZNS). Das ZNS wird aus Rückenmark und Gehirn gebildet, während das PNS alle weiteren Nerven außerhalb des ZNS umfasst.

Forschungsansätze in der Myelinregeneration

Es gibt verschiedene wissenschaftliche Forschungsansätze, die sich mit dem Thema „Myelinregeneration bei MS“ beschäftigen und in Zukunft vielleicht auch für die MS-Therapie relevant sein können.

Schon früher konnten Wissenschaftler im Mausmodell zeigen, dass die elektrische Stimulation von Nervenzellen im Gehirn und die damit einhergehende Aktivierung zu einer Neubildung von Myelin führen kann.

Ein neuer interessanter Ansatzpunkt ist das Eiweiß Chi3l3. Forscher zeigten im Mausmodell, dass es eine wichtige Rolle bei der Myelinregeneration spielt. Ob sich die Symptome von MS mit Chi3l3 oder einem verwandten Eiweiß lindern lassen, wird sich noch herausstellen.

Aussichtsreich könnte auch das in Teeblättern enthaltene Theophyllin sein. Dieser Wirkstoff konnte bei Mäusen eine deutliche Verbesserung in der Regeneration von Myelin auslösen und wird bereits in der Therapie von Asthma und anderen Atemwegserkrankungen eingesetzt. Weitere Studien sind erforderlich, um zu klären, ob er sich auch für die Therapie von MS eignet. Somit solltest Du Theophyllin keinesfalls eigenmächtig einnehmen.

Neben diesen Ansätzen zur Remyelinisierung gewinnt die Forschung stetig neue Erkenntnisse dazu. Wer weiß, vielleicht gibt es in naher Zukunft schon erste Ergebnisse zur Myelinregeneration bei MS, die für eine Behandlung in Frage kommen. Bis dahin ist es wichtig, dass Du Deine Therapie konsequent durchführst, um diesbezüglich möglichst zu verhindern, dass es zu einer Krankheitsaktivität, Entzündungen und somit zum Abbau von Myelin kommt.

Kurz und Knapp:

Aufgrund der Schädigung der Myelinscheiden bei MS können Nervenimpulse nicht mehr korrekt weitergeleitet werden. Myelinscheiben können sich teilweise regenerieren und verschiedene Forschungsansätze beschäftigen sich mit der Myelinregeneration. Indem Du Deine Therapie konsequent durchziehst und dich an begleitende Absprachen mit deinem Arzt hälst, kannst Du diesbezüglich Dein Möglichstes tun, Deinen Schutz vor Myelinverlust zu erhöhen.

*Quellen:
Mitew et al. (2018) Pharmacogenetic stimulation of neuronal activity increases myelination in an axon-specific manner. Nat Commun
Starossom et al. (2019) Chi3l3 induces oligodendrogenesis in an experimental model of autoimmune neuroinflammation. Nat Commun
Duman et al. (2020) EEF1A1 deacetylation enables transcriptional activation of remyelination, Nat Commun

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