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Forschung

MS-Training erhöht die Schnelligkeit im Kopf

7 Minuten

Veröffentlicht am 22.05.2019  von  Onmeda

Eine multiple Sklerose bringt häufig mit sich, dass die Betroffenen Informationen im Gehirn nicht mehr so schnell verarbeiten können. Ein gezieltes Training am Computer könnte ihnen helfen, im Alltag wieder besser zurechtzukommen.

Frau mit Brille und gestreiftem Shirt balanciert Bleistift auf Oberlippe

Kognitive Beeinträchtigungen sind bei Menschen mit multipler Sklerose (MS) keine Seltenheit. Unter anderem lässt die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung im Gehirn aufgrund der Schäden an den Nervenzellen nach. Dies wiederum beeinträchtigt viele MS-Patienten enorm bei ihren Alltagsaktivitäten. Eine kleine Studie von Forschern der Kessler Foundation zeigt nun, dass ein spezielles Training die Verarbeitungsgeschwindigkeit im Kopf erhöht und Patienten damit ihren Alltag wieder besser bestreiten können.

Fitnessprogramm für den Kopf

Die Forscher testeten die Wirksamkeit des sogenannten Speed of Processing Training, abgekürzt SPT. Dies ist ein spezielles Computerprogramm, das auf die Verarbeitungsgeschwindigkeit des Gehirns abzielt. Teilnehmer der Studie waren 21 Patienten mit MS. Zwölf Probanden erhielten ein Training für den Kopf, die anderen neun dagegen nicht. Das Fitnessprogramm fürs Gehirn bestand insgesamt aus zehn Trainingseinheiten am Computer und dauerte fünf Wochen lang.

Die Trainingsgruppe schnitt in neuropsychologischen Tests deutlich besser ab als jene Probanden, deren Gehirn nicht gefordert worden war. Sie verarbeiteten Informationen im Gehirn schneller, erlernten Neues besser, und sie konnten Alltagsaktivitäten wieder besser ausführen. In der Kontrollgruppe ließen sich dagegen keine Veränderungen feststellen.

MS-Reha fürs Gehirn: Kognitive Leistungsfähigkeit erhöhen

"Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Verarbeitungsgeschwindigkeit des Gehirns enorm wichtig für die kognitive Leistungsfähigkeit bei Personen mit multipler Sklerose ist", vermutet die Studienautorin Dr. Nancy Chiaravalloti. "Es genügt nicht, dass wir beim kognitiven Training nur auf die neuropsychologischen Parameter schauen. Wir müssen viel mehr beachten, wie gut MS-Patienten in ihrem täglichen Leben zurechtkommen."

Wichtig sei, eine kognitive Rehabilitationsbehandlung zu entwickeln, welche die Verarbeitungsgeschwindigkeit des Gehirns in den Vordergrund rückt, so Chiaravalloti weiter. Dies verbessere die Lebensqualität der MS-Patienten eventuell erheblich und erleichtere ihnen den Alltag. Ihre Ergebnisse wollen die Forscher jetzt in einer größeren Studie mit mehr Probanden überprüfen.

Warum die Verarbeitungsgeschwindig- keit sinkt

Eine multiple Sklerose zieht viele weitere Beeinträchtigungen nach sich: Gefühlsstörungen, körperliche Behinderungen, psychische Probleme oder Einschränkungen der kognitiven Funktionen. Die niedrige Verarbeitungsgeschwindigkeit des Gehirns gilt als eines der größten kognitiven Defizite bei MS. Diese Verlangsamung im Gehirn beeinträchtigt zum Beispiel die verbalen Fähigkeiten, das Arbeitsgedächtnis (Erinnerungsvermögen), die Fähigkeit, Neues zu erlernen, und das Gedächtnis selbst. So kann sich die sinkende Schnelligkeit im Gehirn wiederum auf andere kognitive Bereiche auswirken, aber nicht nur. Forscher wissen auch, dass die berufliche Tätigkeit, soziale Aktivitäten, das Autofahren und das Erfüllen der Alltagsaufgaben erheblich darunter leiden.

Wie genau es bei MS zu kognitiven Störungen kommt, ist noch nicht abschließend geklärt. Vermutlich spielt nicht nur die Anzahl der Schädigungen (Läsionen) in der weißen und grauen Substanz des Gehirns eine Rolle, sondern vor allem die Stelle, an der sie sich befinden. Auch wenige Läsionen in einem Gehirnbereich, der für die Kognition wichtig ist, können zu einem kognitiven Defizit führen. Ebenso scheint der Gehirnschwund (Hirnatrophie) eine entscheidende Rolle zu spielen. Nachgewiesen ist, dass das Gesamthirnvolumen bei kognitiv beeinträchtigten MS-Patienten kleiner ist als bei jenen mit intakter Kognition.

Quellen:

Chiaravalloti, ND et al.: A pilot study examining speed of processing training (SPT) to improve processing speed in persons with multiple sclerosis. Frontiers in Neurology (September 2018)

Multiple Sklerose: Kognitive Defizite haben hohe Relevanz für den Alltag: www.arzteblatt.de (September 2017)

*Quelle: www.onmeda.de

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