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Forschung

MS-Patienten neigen stärker zu Herzproblemen

9 Minuten

Veröffentlicht am 04.04.2018 von Onmeda

Bei multipler Sklerose leiden nicht nur die Nervenzellen: Auch das Herz von MS-Patienten gerät scheinbar aus dem Takt. Viele leiden unter Herzproblemen. Diese sollten von den behandelnden Ärzten intensiver untersucht werden, fordert eine neue Studie.

Papierherz mit Sicherheitsnadel

Die Nervenerkrankung multiple Sklerose (MS) greift nicht nur die schützenden Nervenhüllen an, sondern wirkt sich auch auf das Herz aus. Viele – meist junge – MS-Patienten leiden verstärkt unter Herzproblemen, vermutlich wegen eines erkrankten Herzmuskels. Um solche gefährlichen Herzkrankheiten aufzudecken, seien fortschrittlichere Diagnosemethoden als die bislang angewendeten Verfahren nötig, fordern rumänische Forscher von der Medizinischen und Pharmazeutischen Universität Carol Davila sowie vom University Emergency Hospital in Bukarest.

Derzeit würden Ärzte den Herzen von Menschen mit multipler Sklerose insgesamt zu wenig Aufmerksamkeit schenken, kritisieren die Wissenschaftler. Und wenn doch, dann würden konventionelle bildgebende Verfahren wie ein 2D- oder Doppler-Herz-Ultraschall eingesetzt. Diese könnten aber feinste Veränderungen der Herztätigkeit nicht erfassen. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher im Fachblatt Scientific Report.

Herzuntersuchungen mit speziellem Ultraschall

An der Studie nahmen 67 Patienten mit multipler Sklerose und 36 gesunde Probanden gleichen Alters und Geschlechts teil. Alle Studienteilnehmer – mit und ohne MS – hatten ungefähr dieselben Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, zum Beispiel Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Rauchen oder Übergewicht beziehungsweise Fettleibigkeit (Adipositas). Etwa die Hälfte der MS-Patienten erhielt eine Behandlung mit Interferon oder Glatirameracetat. Die anderen MS-Probanden hatten die Diagnose erst kurz zuvor erhalten und bekamen noch keine immunmodulierende Therapie.

Um möglichen Herzproblemen auf die Spur zu kommen, setzten die Forscher neben konventionellen Diagnosemethoden auch neue echokardiografische Diagnosewerkzeuge ein, zum Beispiel die Echtzeit-3D-Echokardiografie und das sogenannte Speckle Tracking. Es handelt sich hierbei um ein relativ neues Ultraschallverfahren, das mittels Computer bestimmte Schlag-Muster (englisch: "speckles") erkennt. Anhand dieser Muster können die Ärzte das Bewegungs- und Ausdehnungsprofil des Herzens auswerten.

Das Herz von MS-Patienten arbeitet weniger gut

Anhand der neuen Untersuchungsmethoden entdeckten die Forscher, dass die MS-Patienten deutlich stärkere Beeinträchtigungen der rechten und linken Herzhälften aufwiesen als die gesunden Probanden. Menschen mit multipler Sklerose zeigten in der linken Hauptkammer eine verminderte systolische Funktion (also wenn das Herz schlägt) sowie eine geringere diastolische Funktion (wenn das Herz zwischen den Schlägen "ausruht"). Auch die Funktion des linken Vorhofs und die systolische Aktivität der rechten Hauptkammer waren beeinträchtigt. Zudem war der systolische Druck in der Lungenschlagader (Pulmonalarterie) erhöht.

Nicht verändert waren bei den MS-Patienten dagegen Werte, die mit der Funktion der Arterien, der Blutversorgung des Herzens sowie möglichem Herzversagen verbunden sind. Es machte auch keinen Unterschied für die Herzfunktion, welches Medikament die MS-Kranken einnahmen – ob Interferon oder Glatirameracetat. Zudem spielte es keine Rolle, ob die MS-Patienten eine Behandlung erhielten oder noch ohne Medikamente auskamen. Bei allen MS-Patienten ließen sich die gleichen Herzprobleme beobachten.

Warum nimmt der Herzmuskel Schaden?

Doch was steckt hinter den gehäuften Herzproblemen bei MS-Patienten? Als Ursache vermuten die Forscher veränderte Muskeleiweiße, die auch im Herzmuskel vorhanden seien. Auch die Entzündungsreaktionen im Körper sowie Rauchen, hohe Blutfettwerte und Bewegungsmangel aufgrund körperlicher Behinderungen trügen zu dem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko bei.

"Die Ergebnisse sind für den Behandlungsalltag der Ärzte und ihre MS-Patienten wichtig. Ein Team, das sich aus Ärzten verschiedener Disziplinen zusammensetzt, sollte immer einen Kardiologen mit einschließen", schreiben die Forscher. Das Herz der MS-Patienten müsse umfassend untersucht werden.

Neuere Diagnosetechniken mittels Ultraschall seien gut geeignet, um Störungen der Herz-Kreislauf-Funktion bei MS-Patienten schneller aufzudecken und ein lebensbedrohliches Herzversagen zu verhindern. Diese Verfahren seien gesundheitlich unbedenklich, kostengünstig und breit verfügbar. Man müsse aber noch mehr über die verschiedenen Arten von Herzproblemen bei MS herausfinden und in welchem Ausmaß sie vorkommen, so die Forscher.

Tipps für ein gesundes Herz

Frühere Studien hatten nachgewiesen, dass die multiple Sklerose mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzversagen in den ersten Jahren nach der Diagnose MS verbunden ist. Deshalb ist die Früherkennung von Herzkrankheiten, aber auch ein gesunder Lebensstil ein wesentlicher Teil der Vorsorge.

Ein paar Tipps für ein gesundes Herz:

• Falls Sie Symptome einer Herzerkrankung verspüren, sollten Sie immer umgehend Ihren Arzt aufsuchen!
• Achten Sie auf eine herzgesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten, ungesättigten Fettsäuren (bevorzugt aus pflanzlichen Quellen) und mehr Fisch als Fleisch.
• Versuchen Sie, so viel Bewegung wie möglich in Ihren Alltag zu integrieren. Sie wirkt sich zum Beispiel positiv auf den Blutdruck aus.
• Achten Sie auf Ihren Konsum von Alkohol, Nikotin (besser ist ein kompletter Rauchstopp!) und auf Ihr Gewicht.
• Stress kann auch dem Herzen zusetzen. Sorgen Sie also für Entspannung zwischendurch, etwa durch autogenes Training, Yoga oder progressive Muskelentspannung nach Jacobson.
• Lassen Sie erhöhte Cholesterin- und Blutdruckwerte ausreichend behandeln.

Quellen:

Mincu, RI et al.: Impaired Cardiac Function in Patients with Multiple Sclerosis by Comparison with Normal Subjects. Scientific Report (Februar 2018)

Online-Information der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG): www.dmsg.de (Abrufdatum: 19.3.2018)

Online-Information der Deutschen Herzstiftung: www.herzstiftung.de (Seitenabruf: 19.3.2018)

*Quelle: www.onmeda.de

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