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Forschung

MS bei Kindern: Hoher Fettkonsum, große Schubgefahr

8 Minuten

Veröffentlicht am 20.12.2017 von Onmeda

Wer viel Fett isst, erhöht offenbar das Risiko für neue MS-Schübe. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie an Kindern. Gemüse hatte bei multipler Sklerose dagegen sogar einen Schutzeffekt.

Pommes mit Ketchup

Wer viel Fett isst, erhöht offenbar das Risiko für neue MS-Schübe. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie an Kindern. Gemüse hatte bei multipler Sklerose dagegen sogar einen Schutzeffekt.

Die Ernährung spielt eine wichtige Rolle bei multipler Sklerose (MS). Soweit nichts ganz Neues: besser viel Obst und Gemüse sowie Seefisch, besser weniger Fett. Dass diese Empfehlungen tatsächlich ihre Berechtigung haben, haben Forscher der University of California in San Francisco (USA) für Kinder mit schubförmiger MS herausgefunden. Bei ihnen ist die Schubgefahr ohnehin größer als bei Erwachsenen.

In ihrer Studie fanden die Wissenschaftler heraus, dass ein hoher Fettkonsum das Risiko für den nächsten Schub stark ansteigen lässt. Umgekehrt sinkt das Risiko, wenn bei den Kleinen viel Gemüse auf den Teller kommt.

Essensgewohnheiten auf dem Prüfstand

Die Studie wurde an elf spezialisierten MS-Zentren für Kinder in den USA durchgeführt. Die 219 Studienteilnehmer litten entweder unter einer schubförmig-remittierenden MS oder dem sogenannten klinisch isolierten Syndrom (KIS oder englisch CIS), das als Frühform in eine multiple Sklerose münden kann. Bei den jungen Patienten hatte die Krankheit vor dem 18. Lebensjahr eingesetzt und bestand seit weniger als vier Jahren.

In der Woche vor Studienbeginn erfassten die Forscher die Ernährungsgewohnheiten der Kinder und Jugendlichen mit Hilfe eines speziellen Fragebogens, dem "Block Kids Food Screener". Die Forscher beobachteten die Patienten bis zum nächsten MS-Schub. Im Schnitt war das ein Zeitraum von zwei Jahren. 43 Prozent der Studienteilnehmer hatten in dieser Zeit einen Rückfall.

Fett steigert das Risiko, Gemüse senkt es

Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass es sich besonders schlecht auf den Verlauf der MS auswirkt, wenn die Kinder viel Fett zu sich nahmen. Stieg die Energieaufnahme in Form von Fett bei einem Kind um zehn Prozent, ging das Risiko für einen weiteren Schub um 56 Prozent nach oben.

Besonders fatal wirken sich demnach gesättigte Fettsäuren aus: Entsprechend verdreifach sie das Risiko für einen Schub. Gesättigte Fettsäuren sind vor allem in verarbeiteten Fleisch- und Wurstwaren, Butter, Hartkäse und Milchprodukten enthalten.

Gemüse hatte einen gegenteiligen Effekt und wirkte sich sogar schützend aus: Mit jeder zusätzlichen Portion Gemüse sank das Risiko um etwa 50 Prozent. Alter, Geschlecht, Krankheitsdauer, Body-Mass-Index (BMI), Behandlungen oder der Vitamin D-Spiegel beeinflussten die Ergebnisse nicht.

Leider nur begrenzte Aussagekraft

Auch wenn der Zusammenhang zwischen hohem Fettkonsum und dem Schubrisiko in der Beobachtungsstudie deutlich wurde – es ist nicht nachgewiesen, dass Fett der unmittelbare Auslöser des Schubs war. Fettkonsum könne auf verschiedenen Wegen Krankheitsprozesse beeinflussen, vermuten die Forscher. So kurbelt eine erhöhte Fettaufnahme zum Beispiel die Freisetzung von Entzündungsbotenstoffen an oder beeinflusst die Zusammensetzung der Darmflora, die wiederum mit immunologischen Prozessen in Verbindung steht.

Zudem gebe es einige Faktoren, welche die Aussagekraft der Ergebnisse einschränkten, stellt Dr. Kathryn Fitzgerald von der Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore (USA) in einem begleitenden Artikel fest. Zum Beispiel wurden die Ernährungsgewohnheiten der Kinder nur eine Woche vor Studienbeginn erfasst. Dieser Zeitraum könnte zu kurz sein, um die längerfristigen Essgewohnheiten und Ernährungsmuster der Kinder zu erfassen.

Außerdem ist Fett nicht gleich Fett: Zum Beispiel gilt Fischöl mit seinem hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren als äußerst gesund für Patienten mit multipler Sklerose.

Fazit: Welche Fette sind gesund?

Ärzte raten bei multipler Sklerose zu Ölen und Pflanzenfetten, die reich an Omega-3-Fettsäuren (z.B. alpha-Linolensäure) sind und einen niedrigen Gehalt an Omega-6-Fettsäuren (z.B. Linolsäure) haben. Gute Lieferanten für Omega-3-Fettsäuren ist das Fischöl aus fetten Seefischen wie Hering, Lachs, Makrele oder Sardine.

Zum Kochen und Braten sind für MS-Patienten wie für alle anderen Menschen eher pflanzliche Öle empfehlenswert – etwa Raps- oder Olivenöl. Für kalte Salate eignen sich zum Beispiel Lein-, Walnuss- oder Weizenkeimöl. Schmalz und fetter Speck enthalten große Mengen an gesättigten Fettsäuren. Verzichten Sie also besser darauf!

Quellen:

Azary S. et al.: Contribution of dietary intake to relapse rate in early paediatric multiple sclerosis. Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry (2017)

Online-Information der Selbsthilfevereinigung AMSEL e.V.: www.amsel.de (Abrufdatum: 12.12.2017)

*Quelle: www.onmeda.de

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