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Forschung

Mehr Sonnenschein in der Kindheit senkt das MS-Risiko

8 Minuten

Veröffentlicht am 09.05.2018 von Onmeda

Das Sonnenschein-Hormon Vitamin D gilt schon länger als wichtiger Einflussfaktor bei der multiplen Sklerose. Eine neue Studie zeigt jetzt, dass Kinder und Jugendliche, die in sonnigen Regionen aufwachsen, tatsächlich ein niedrigeres MS-Risiko haben.

Mädchen mit Papiersonne

Vitamin D spielt nicht nur für gesunde Knochen eine wichtige Rolle, sondern scheint auch an der Nervenerkrankung multiple Sklerose (MS) beteiligt zu sein. Diesen Zusammenhang vermuten Forscher schon länger. Wissenschaftler der University of British Columbia in Kanada fanden nun ein neues Puzzleteil, um diese Theorie zu bestätigen: Kinder und Jugendliche, die in sonnigen Regionen aufwachsen und somit mehr UV-B-Strahlung abbekommen, entwickeln seltener MS. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im anerkannten Fachmagazin Neurology.

Wie viel Sonne sollte es sein?

In ihrer Studie untersuchte das Forscherteam um Helen Tremlett den Zusammenhang zwischen der Sonnenexposition eines Menschen und dem Risiko, im Lauf des Lebens eine multiple Sklerose zu entwickeln. Interessant waren für die Forscher die Zeiträume zwischen fünf und 15 Jahren, 16 und 20 Jahren sowie jeweils die Zehn-Jahres-Zeiträume danach. Sie analysierten dafür die Daten von 151 Frauen mit MS und einer Kontrollgruppe mit 235 gesunden, weiblichen Personen ähnlichen Alters. Im Schnitt waren die von MS betroffenen Frauen 39,5 Jahre alt, als die multiple Sklerose erstmals diagnostiziert wurde.

Die Daten stammten aus der Nurses' Health Study. An dieser Studie hatten Tausende Krankenschwestern teilgenommen. Ziel war es, bessere Einblicke in die Gesundheit von Frauen zu gewinnen. Die Probandinnen hatten in der Untersuchung unter anderem Angaben darüber gemacht, wie häufig sie sich im Sommer, Winter sowie im Laufe ihres gesamten Lebens der Sonne ausgesetzt hatten.

Die Forscher legten drei Grade der Sonnenexposition fest: niedrig, mittel und hoch. Wenig Sonne bedeutete, dass sich die Studienteilnehmerinnen im Sommer weniger als neun Stunden wöchentlich der Sonnenstrahlung ausgesetzt haben. Eine hohe UV-B-Dosis stuften sie ab zehn Stunden und mehr pro Woche ein. Für den Winter galten weniger als drei Stunden als niedrig, mehr als vier Stunden als hoch. Anschließend setzten die Forscher die Zeit, die die Probandinnen in der Sonne verbracht hatten, mit dem Risiko für multiple Sklerose in Verbindung. Daneben flossen Faktoren wie der Body-Mass-Index, Nikotinkonsum oder die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit Vitamin D in die Berechnung mit ein.

Mehr Sonnenschein, niedrigeres Risiko für MS

Die Forscher fanden heraus, dass es zwischen der Sonneneinstrahlung und dem Auftreten einer multiplen Sklerose einen eindeutigen Zusammenhang gab. Wer in einer Region mit mittlerer oder hoher UV-B-Strahlung lebte, hatte ein um 45 Prozent niedrigeres Risiko für die Nervenerkrankung als Menschen, die in Gebieten mit niedriger Sonneneinstrahlung aufwuchsen. Ein ähnliches Bild ergab sich für Personen, die zwischen dem fünften und 15. Lebensjahr in Gebieten mit mittlerer oder hoher UV-B-Strahlung lebten: Das Risiko war um ungefähr 50 Prozent reduziert. "Kinder und Jugendliche, die in Regionen mit viel Sonnenschein aufwachsen, haben ein niedrigeres MS-Risiko", lautet das Fazit der Forscher.

Vitamin D ist das einzige Vitamin, das der Körper unter Einwirkung der UV-Strahlung selbst in der Haut bilden kann. Schon länger bringen Neurologen Vitamin D mit MS in Verbindung. So wiesen Forscher zum Beispiel nach, dass Kinder mit niedrigen Vitamin D-Werten bei der Geburt später doppelt so häufig an multipler Sklerose erkranken wie Kinder mit normalen Werten. Die meisten MS-Patienten weisen demnach einen Vitamin-D-Mangel auf, oft sogar schon bei der Geburt.

Neue Behandlungsmöglichkeiten mit Vitamin D?

Umgekehrt berichten mehrere Studien, dass Menschen mit einem hohen Vitamin-D-Spiegel, vor allem in der frühen Kindheit und Jugend, ein geringeres Risiko haben, später im Leben an multipler Sklerose zu erkranken. So fand eine finnische Studie zum Vitamin-D-Spiegel während der Schwangerschaft folgenden Zusammenhang: Frauen, die später an MS erkrankten, hatten schon Jahre vor der Diagnose niedrigere Werte an Vitamin D als Probandinnen, die im späteren Leben keine MS entwickelten. Je höher der Vitamin D-Spiegel zuvor lag, desto stärker sank das MS-Risiko.

Ein vielversprechender Kandidat scheint das Vitamin D auch in der Behandlung der multiplen Sklerose zu sein. Bei höheren Vitamin-D-Spiegeln sank die Anzahl und Schwere der Schübe – die Krankheitsaktivität nahm also ab. In einigen Studien brachte die Behandlung mit Vitamin D die MS sogar zum Stillstand und ließ die Symptome verschwinden. Hier müssen aber noch weitere Studien folgen, um diese Ergebnisse zu bestätigen.

Quellen:

Tremlett, H. et al.: Sun exposure over the life course and associations with multiple sclerosis. Neurology (April 2018)

Online-Informationen der Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG): www.dmsg.de (Abrufdatum: 20.4.2018)

*Quelle: www.onmeda.de

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