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Forschung

Kann gesundes Essen MS-Symptome bessern?

7 Minuten

Veröffentlicht am 31.01.2018 von Onmeda

Wer viel gesundes Obst, Gemüse und Vollkornprodukte verzehrt sowie gleichzeitig die Finger von Zucker, rotem und stark verarbeitetem Fleisch lässt, verspürt weniger Symptome der multiplen Sklerose (MS). Auch die Behinderungen fallen weniger stark aus. Zu diesem Schluss kamen Forscher um Kathryn Fitzgerald von der Johns Hopkins School of Medicine in Baltimore (USA). Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im renommierten Fachblatt Neurology.

Farmer-Mädchen mit Karotten

Der Verlauf von multipler Sklerose lässt sich durch gesunde Lebensmittel auf dem Speiseplan beeinflussen. Wenn viel Obst, Gemüse und Vollkorn auf dem Teller landen, senkt dies das Risiko für körperliche Behinderungen und Depressionen. Das zeigt eine aktuelle Studie.

Welche Rolle spielt ein gesunder Lebensstil bei MS?

"Menschen mit MS fragen oft danach, ob sie selbst etwas tun können, um die Krankheit zu verzögern und Behinderungen zu vermeiden", erklärt Fitzgerald. "Und sie möchten wissen, ob die Ernährung dabei eine Rolle spielen kann. Aber bislang gibt es nur wenige Studien, die dies untersucht haben." Dies wollten die Forscher ändern.

An der Studie nahmen knapp 7.000 Patienten mit multipler Sklerose teil. Darunter waren alle Formen der Nervenkrankheit vertreten – von schubförmiger bis progredienter MS. Die Probanden füllten Fragebogen zu ihren Ernährungsgewohnheiten aus und wurden in fünf Gruppen eingeteilt – je nachdem, wie gesund sie sich ernährten.

Als gesund stuften die Forscher eine Ernährungsweise ein, die aus viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten bestand. Dasselbe gilt, wenn die Studienteilnehmer wenig Zucker (z. B. Süßigkeiten, Dessert, gesüßte Getränke), rotes Fleisch (z. B. Rind, Schwein, Lamm) und verarbeitetes Fleisch (geräucherte, gepökelte Wurstwaren) aßen.

Auch der allgemeine Lebensstil der Patienten mit multipler Sklerose spielte eine Rolle: Waren sie regelmäßig körperlich aktiv und trieben Sport, verzichteten sie auf das Rauchen und hatten sie ein gesundes Gewicht? Daneben wurden die Studienteilnehmer gefragt, ob sie in den letzten sechs Monaten einen Schub erlebt oder sich die Symptome verschlimmert hatten. Sie machten Angaben zum Ausmaß ihrer Behinderungen und zur Schwere der MS-Symptome, etwa der Fatigue, Bewegungseinschränkungen, Schmerzen oder Depressionen. Sämtliche Daten flossen in die Analyse ein.

Gesunde Ernährung senkt Risiko für Behinderungen und Depression

MS-Patienten mit der am gesündesten eingestuften Ernährung hatten ein um 20 Prozent niedrigeres Risiko für schwere körperliche Behinderungen im Vergleich zu jenen, die besonders ungesund aßen. Etwa um den gleichen Prozentsatz niedriger lag ihr Risiko für Depressionen. Dieser Zusammenhang galt auch dann noch, wenn die Forscher Einflussfaktoren wie Alter oder Dauer der Krankheit berücksichtigten.

Die Topgruppe der "Gesundesser" verzehrte im Durchschnitt pro Tag 1,7 Portionen Vollkornprodukte und 3,3 Portionen Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte. Zum Vergleich: In der Gruppe mit den Teilnehmern, die sich am schlechtesten ernährten, waren es jeweils nur 1,7 Portionen dieser Produkte und 0,3 Portionen Vollkornprodukte. Am besten schnitten Patienten mit multipler Sklerose ab, die sich nicht nur gesund ernährten, sondern auch darüber hinaus einen gesunden Lebensstil pflegten. Ihr Risiko für eine Depression lag um ungefähr 50 Prozent niedriger, für Fatigue und kognitive Beeinträchtigungen um etwa 30 Prozent und für Schmerzen um rund 40 Prozent.

Lediglich einen moderaten Einfluss auf die körperlichen Beeinträchtigungen hatten populäre Diäten wie die Paleo-Diät (Steinzeit-Diät), Abnehmprogramme oder spezielle, auf multiple Sklerose abgestimmte Diäten.

Gesunde Ernährung als sinnvolle Therapie-Ergänzung

Dennoch sei die Aussagekraft der Studie begrenzt, so die Autorin Fitzgerald. Aufgrund des Studiendesigns lasse sich nicht ablesen, wie groß der Einfluss einer gesunden Ernährung auf MS-Symptome tatsächlich ist. Als weitere Einschränkung sehen die Forscher die Tatsache an, dass viele Studienteilnehmer bereits älter waren und sie ihre Diagnose oft schon vor mehr als 20 Jahren erhalten haben: "Die Ergebnisse sind vermutlich nicht auf alle MS-Patienten übertragbar." Schaden kann eine gesunde Ernährung als Ergänzung zu medikamentösen Therapien aber mit Sicherheit niemandem.

Quelle: Fitzgerald, KC et al.: Diet quality is associated with disability and symptom severity in multiple sclerosis. Neurology (Stand: Januar 2018)

*Quelle: www.onmeda.de

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