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Forschung

Internationaler Bericht zeigt: Bei MS keine Zeit verlieren

8 Minuten

Veröffentlicht am 13.11.2017  von  trotz ms Redaktion

Eine frühzeitige Behandlung von Multipler Sklerose trägt dazu bei, Schäden einzugrenzen. Das ist die Quintessenz des 86-seitigen Berichts „Gehirngesundheit: Die Zeit drängt bei Multipler Sklerose“. Verfasst hat den Report , dessen Originaltitel „Brain health – Time matters in multiple sclerosis“ lautet, eine Gruppe internationaler Experten aus verschiedenen Disziplinen (darunter Ärzte, Wissenschaftler, Vertreter von Patientenorganisationen und Gesundheitsökonomen) unter der Leitung von Professor Gavin Giovannoni. Im Folgenden haben wir Dir die wichtigsten Erkenntnisse daraus zusammengefasst

Uhr an Handgelenk von Frau von oben

Time is brain. Eine frühe Diagnose und ein zeitnaher Behandlungsbeginn können Schäden vorbeugen.

Wie der Titel des Berichts schon andeutet, ist Zeit bei der Behandlung von MS ein entscheidender Faktor. Mit „time is brain“, bringt Professor Giovannoni diesen Fakt auf den Punkt. Bestimmt weißt Du bereits, dass bei MS durch das Immunsystem verursachte Entzündungsherde das Nervengewebe zerstören (Läsionen). In der Folge beginnt das Gewebe im Zentralen Nervensystem (ZNS) und im Gehirn zu schrumpfen. Diese Schädigungen sind irreversibel. Laut Bericht können eine frühe Diagnose und ein schneller Therapiebeginn die Krankheitsaktivität jedoch eindämmen und so die Gesundheit des Gehirns erhalten. In der Folge lässt sich auch das Auftreten MS-bedingter Einschränkungen verlangsamen.

Individuelle Therapieziele und eine regelmäßige Überprüfung des MS-Verlaufs

Eine weitere grundlegende Erkenntnis des Berichts lautet: Um jedem Patienten die bestmögliche Behandlung zu ermöglichen, sollten Ärzte klare Therapieziele setzen und den Krankheitsverlauf regelmäßig überprüfen. Denn die Schäden im ZNS können bereits in frühen Stadien der Erkrankung Deine Gesundheit und Leistungsfähigkeit negativ beeinflussen, beispielsweise: Deine Kognition, Dein körperliches und emotionales Wohlbefinden, aber auch die Teilnahme an täglichen Aktivitäten und Deine Arbeitsfähigkeit.

Auch heute noch begeben sich Betroffene häufig zu spät in die Behandlung eines Neurologen – und das obwohl die Diagnose MS heute zehnmal schneller gestellt wird als in den 1980er Jahren. Deshalb fordern die Experten eine umfassende Aufklärung der Öffentlichkeit, aber auch der betroffenen Patienten, ihrer Familienmitglieder und Ärzte. Für eine rasche Diagnose sollten Patienten einfachen Zugang zu Spezialisten und den speziellen Diagnoseverfahren erhalten. Das erfordert gegebenenfalls auch Veränderungen im Gesundheitswesen und der Politik, je nachdem, in welchem Land die Betroffenen leben.

Da eine frühzeitige Behandlung essentiell notwendig ist, sind auch die Patienten gefragt. Zum einen können sie durch eine gesunde Lebensführung zur Gesundheit ihres Gehirns beitragen. Dazu gehören beispielsweise ein gesundes Gewicht, körperliche und geistige Aktivität sowie der Verzicht aufs Rauchen und maßvoller Alkoholgenuss. Zum anderen gilt es, die gemeinsam mit dem Arzt ausgewählte Therapie einzuhalten, um die Krankheitsaktivität einzudämmen.

Auch das regelmäßige Überwachen der MS per MRT und anderer klinischer Untersuchungen spielt eine wichtige Rolle. So lässt sich Deine Therapie bei Bedarf schnell anpassen. Die dabei gesammelten Daten können Ärzten und anderen Beteiligten des Gesundheitswesens helfen, langfristig ein breites Spektrum an wirksamen Behandlungsmöglichkeiten zu entwickeln und einzusetzen. Davon profitieren auch MS-Patienten, da sich für jeden individuell eine effektive Behandlungsstrategie ableiten lässt. Hier findest Du den kompletten Bericht auf Englisch.

Handlungsanweisungen und konkrete Tipps

Vielleicht fragst Du Dich, was die Erkenntnisse des Brain-Health-Reports für Dich und Deine MS-Behandlung bedeuten und was Du konkret tun kannst. Dabei kann Dir ein Blick in „Gehirngesundheit. Ein Leitfaden für Menschen mit Multipler Sklerose“ helfen. Den Bericht kannst Du hier herunterladen. Darin findest Du für Dich relevante Aussagen zusammengefasst sowie konkrete Tipps, wie Du Dein Gehirn gesund halten kannst.

Verdacht auf MS? Das kannst Du tun:

  • Keine Zeit verlieren: Lass Dich an einen Neurologen überweisen, am besten an einen MS-Spezialisten oder an eine MS-Spezialklinik.
  • Der Sache auf den Grund gehen: Fordere eine MRT-Untersuchung zur Diagnose an.
  • Den Kontakt halten: Bleib mit Deinem MS-Team in Verbindung, damit es Deinen Zustand kontinuierlich überwacht - auch wenn Du noch keine Diagnose erhalten hast.
  • Werde aktiv: Sprich Deinen Arzt auf eine geeignete Therapie an und frag ihn, welche Behandlungsoptionen es gibt.

Diagnose MS? Diese Tipps helfen Dir:

  • Mehr wissen: Lass Dir die Ergebnisse der klinischen Untersuchungen und MRT-Untersuchungen von den zuständigen medizinischen Fachkräften erläutern.
  • Dran bleiben: Denk daran, dass die MS-Krankheitsaktivität fortlaufend sein kann. Auch wenn es Dir gut geht, kann die MS Deiner Gehirngesundheit schaden.
  • Die MS im Blick behalten: Frag Deinen Arzt, wie Deine MS überwacht werden soll und in welchen Zeitabständen Du zur MRT-Kontrolle musst.
  • Alternativen finden: Erkundige Dich, ob die Umstellung auf eine andere Therapie angemessen ist, wenn Deine MS nicht gut auf die Behandlung anspricht oder Nebenwirkungen auftreten.

Du siehst, es ist wichtig, dass Du Deine MS-Therapie konsequent weiterführst. Außerdem lohnt es sich, gesund zu leben und regelmäßig zu Deinen Kontrolluntersuchungen zu gehen.

Kurz & Knapp

Der internationale Bericht „Gehirngesundheit: Die Zeit drängt bei Multipler Sklerose" zeigt, dass eine frühe Diagnose, ein schneller Therapiebeginn und eine konsequente Behandlung irreversible Schäden vermeiden können.