Zurück
Forschung

Früher Therapiebeginn hält multiple Sklerose länger auf

7 Minuten

Veröffentlicht am 07.06.2018 von Onmeda

Krankheitsmodifizierende Medikamente können den Verlauf der multiplen Sklerose günstig beeinflussen. Je früher die Behandlung beginnt, desto eher lässt sich der Fortschritt der Krankheit bremsen. Dies ergab eine neue Studie.

Teenager springt über einen Weg in den Dünen

Multiple Sklerose (MS) verläuft bei der Mehrzahl der Patienten in Schüben. Etwa 85 Prozent erleben zwischen den Krankheitsschüben beschwerdefreie Intervalle, die über Monate oder sogar Jahre andauern können. Bei einigen geht die schubförmige MS jedoch irgendwann in einen fortschreitenden Verlauf über, die sekundär-progrediente MS.

Dänische Forscher haben nun herausgefunden, dass eine frühzeitige Behandlung mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten die MS wirkungsvoll drosseln kann. Diese Arzneien greifen ins Immunsystem ein oder unterdrücken es. Von ihren Ergebnissen berichteten die Forscher auf dem Jahrestreffen der American Academy of Neurology in Los Angeles (USA).

Früher vs. später Behandlungsbeginn

In ihrer Studie wollten die Wissenschaftler herausfinden, welcher Zeitpunkt am günstigsten für den Behandlungsbeginn ist, um die MS zu bremsen. Sie bewerteten, welche Langzeiteffekte ein früher beziehungsweise später Beginn der Therapie mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten besitzt. Dafür analysierten sie die Krankenakten von 3.795 MS-Patienten, die an zwei verschiedenen dänischen nationalen Bevölkerungsstudien teilgenommen hatten.

Die Forscher teilten die Probanden in zwei Gruppen ein: Ausschlaggebend war, wann sie ihre Behandlung begonnen hatten. Zwei Jahre nach dem Auftreten der ersten MS-Symptome definierten sie als frühen Start der Therapie. In diese Gruppe fielen 2.316 Patienten. Die Gruppe mit dem späteren Behandlungsbeginn umfasste 1.479 Patienten. Ihre Therapie hatte erst zwei bis acht Jahre nach den ersten MS-Beschwerden eingesetzt. Im Durchschnitt beobachteten sie die Patienten zehn Jahre lang und prüften, inwieweit die multiple Sklerose fortgeschritten war.

Auch die Sterblichkeit sowie das Ausmaß der Behinderungen analysierten sie. Dafür setzten sie die international gebräuchliche Skala Expanded Disability Status Scale (EDSS) ein. Je mehr Punkte ein Patient auf dieser Skala erzielt, desto größer sind seine Behinderungen und Einschränkungen. Als Maßstab in der Studie diente die Zeitspanne, bis die Probanden einen EDSS-Wert von sechs erreicht hatten. Dies entspricht einer moderaten bis schweren körperlichen Behinderung. In diesem Fall benötigen die MS-Patienten zeitweise oder einseitig dauerhafte Hilfe beim Gehen, etwa einen Stock oder eine Krücke.

Später Therapiebeginn, schnelleres Fortschreiten

Patienten mit einem späteren Therapiebeginn hatten eine um 28 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, dass die MS schneller fortschritt, als in der anderen Gruppe. Bei ihnen verging im Durchschnitt weniger Zeit, bis sie mindestens sechs Punkte auf der EDSS-Skala erreichten, als bei Patienten, die früher mit der Therapie begonnen hatten. Besonders deutlich ausgeprägt waren diese Unterschiede bei Frauen. Bei ihnen war die Gefahr, die sechs Punkte schnell zu erreichen, bei spätem Therapiebeginn um 39 Prozent erhöht. Bei Männern machte dies lediglich neun Prozent Unterschied aus.

Auf die Sterblichkeit hatte der Zeitpunkt des Behandlungsbeginns keinen entscheidenden Einfluss. Es spielte also keine Rolle für das Überleben, ob ein Patient die Medikamente früher oder später erstmals erhalten hatte.

Krankheitsmodifizierende Medikamente nur in Spezialzentren

Die Ergebnisse lassen vermuten, dass die MS bei Patienten, welche krankheitsmodifizierende Arzneien erst spät im Krankheitsverlauf bekommen, schneller voranschreitet als bei frühem Therapiebeginn, so die Forscher. Demnach würden die Patienten von einer raschen Behandlung mit diesen Medikamenten profitieren.

Laut der neuen europäischen Leitlinie zur Behandlung von MS sollen nur spezialisierte Zentren mit einer geeigneten Infrastruktur solche krankheitsmodifizierenden Medikamente verabreichen. Diese müssen die Behandlung der MS-Patienten gut kontrollieren sowie Nebenwirkungen schnell erkennen und behandeln. Immuntherapeutika können erhebliche Nebenwirkungen haben. "Krankheitsmodifizierend" nennen Mediziner eine Behandlung, die den Verlauf einer Erkrankung positiv beeinflussen kann.

Quelle:

Chalmer, TA. et. al.: Early versus Later Treatment Start in Multiple Sclerosis – A Register Based Cohort Study. Neurology (April 2018)

*Quelle: www.onmeda.de

Deine Empfehlungen

Newsletter

Infomaterial

Hier kannst Du kostenfrei Deine trotz ms Materialien downloaden oder bestellen und trotz ms DAS MAGAZIN abonnieren.

Zum Infomaterial