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Forschung

Depressionen verstärken Behinderungen bei MS

5 Minuten

Veröffentlicht am 12.10.2022  von  Onmeda

Zwischen Depressionen und dem Ausmaß von Behinderungen bei Multipler Sklerose gibt es eine Verbindung. Die psychische Erkrankung verschlimmert die körperlichen Beeinträchtigungen – wenn auch scheinbar nur bei Frauen. Umso wichtiger ist es, sich rechtzeitig Hilfe zu suchen.

Junge Frau sitzt mit Teetasse auf Fensterbank

Die Depression ist eines der häufigsten Symptome bei Multipler Sklerose (MS). Ärztinnen und Ärzte schätzen, dass etwa die Hälfte aller MS-Betroffenen im Lauf ihres Lebens eine Depression entwickeln. Genauso wie bei allen anderen Menschen gilt es, Depressionen klar zu definieren: Mit einer vorübergehenden Traurigkeit und Niedergeschlagenheit, die die meisten Menschen hin und wieder erleben, hat die Depression nur wenig zu tun. Vielmehr beeinträchtigen die Symptome den Alltag, die Leistungsfähigkeit und das Verhalten ganz entscheidend.

Typisch für eine Depression sind gedrückte Stimmung, Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit sowie Gefühle der Hoffnungslosigkeit und Wertlosigkeit, die über längere Zeit anhalten. Ohne passende Behandlung lässt sich dieser Zustand kaum überwinden.

Fast die Hälfte der MS-Patienten hat eine psychische Erkrankung

Forscher der kanadischen University of British Columbia haben einen Zusammenhang nachgewiesen, nachdem das Ausmaß an Behinderungen bei MS zunimmt, wenn der Patient an Depressionen leidet. Ihre Ergebnisse stellten sie auf dem europäischen MS-Kongress in Paris im Oktober 2017 vor.

Die Wissenschaftler um Kyla McKay wollten herausfinden, ob psychische Probleme die Behinderungen bei MS verstärken können. An der Studie nahmen 1.250 Patienten mit Multipler Sklerose teil – etwa 75 Prozent davon waren Frauen. Sie wurden im Schnitt über neun Jahre beobachtet. Bei rund 95 Prozent der Testpersonen hatten Neurologinnen und Neurologen eine schubförmige MS diagnostiziert.

Die Forschergruppe nutzte Informationen von Arzt- und Klinikbesuchen, die auch schon zwei Jahre vor der Diagnose MS zurückliegen konnten. So identifizierten sie jene Teilnehmenden, die unter Depression, Angststörungen oder einer bipolaren Störung litten. Den Daten zufolge litt fast die Hälfte (49 Prozent) der MS-Betroffenen unter einer psychischen Erkrankung. Dann bestimmten sie das Ausmaß der Behinderungen anhand einer Skala (Expanded Disability Status Scale), die von 0 bis 10 Punkten reicht. Je höher die Punktezahl ist, desto stärker sind die körperlichen Einschränkungen.

Zusammenhang zwischen Depression und Behinderung

In der Studie hatten MS-Betroffene mit einer psychischen Erkrankung deutlich schwerere körperliche Einschränkungen als jene, die seelisch gesund waren. Es machte auch keinen Unterschied für das Ausmaß der Behinderungen, ob die psychische Erkrankung vor oder nach der MS-Diagnose festgestellt worden war.

Interessanterweise sei dies allerdings nur für Frauen der Fall gewesen, erklärt Studienautorin McKay: Männer, die unter Depression, Angststörungen oder einer bipolaren Störung litten, zeigten keine verstärkten körperlichen Beeinträchtigungen. Die Wissenschaftler vermuten, dass hierfür biologische und psychosoziale Faktoren entscheidend seien.

Umso wichtiger ist es, sich bei einer psychischen Begleiterkrankung rechtzeitig professionelle Hilfe zu suchen, um das Fortschreiten der Behinderungen zu bremsen. Es ist vielfach nachgewiesen, dass eine Psychotherapie und/oder Medikamente bei Depressionen gut wirken.

*Quellen:
McKay, K. et al.: Association between psychiatric comorbidity and disability progression of multiple sclerosis. ECTRIMS Online Library (2017)
www.onmeda.de

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