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Forschung

Cannabis lindert Schmerzen bei MS wirksam

7 Minuten

Veröffentlicht am 28.03.2018 von Onmeda

Cannabis gibt es in Deutschland seit einem Jahr für Schwerkranke auf Rezept – auch für Menschen mit multipler Sklerose. Die Wirkstoffe aus der Hanfpflanze lindern Schmerzen effektiv und steigern die Lebensqualität, ergab eine neue Studie.

Füße einer Frau mit Hanfblatt-Socken

Medizinisches Cannabis ist auch in Deutschland seit März 2017 als Schmerztherapie zugelassen. Schwerkranke können sich das pflanzliche Schmerzmittel regulär von ihrem Arzt verschreiben lassen. Das gilt auch für Patienten mit multipler Sklerose (MS).

Dass Cannabis bei MS wirksam die Schmerzen lindert und kaum Nebenwirkungen besitzt, wiesen israelische Forscher in einer neuen Studie nach. Die Wissenschaftler von der israelischen Ben-Gurion University of the Negev und dem Cannabis Clinical Research Institute am Soroka Medical Center veröffentlichten ihre Ergebnisse im Fachmagazin European Journal of Internal Medicine.

Schmerzen lindern und Lebensqualität verbessern

An der Untersuchung nahmen 2.736 ältere Patienten mit multipler Sklerose teil, aber auch Menschen mit Parkinson, Krebs, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn und posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS). Im Schnitt waren die Probanden etwa 74 Jahre alt.

Sie erhielten über sechs Monate medizinisches Cannabis gegen ihre Schmerzen. Die meisten nahmen Cannabis als Öl ein, die anderen rauchten oder inhalierten es, beziehungsweise konsumierten sie das Schmerzmittel über einen Verdampfer. Die Probanden mussten im Beobachtungszeitrum einen Fragebogen zu ihrem Befinden ausfüllen.

Nach sechs Monaten Cannabis-Behandlung gaben ungefähr 70 Prozent der Patienten an, ihr Gesundheitszustand habe sich moderat oder deutlich verbessert. Bei fast 94 Prozent der Patienten hatten die Schmerzen entscheidend abgenommen: Auf einer 10-Punkte-Schmerzskala sanken die Werte von anfänglich acht auf vier Punkte.

Auch die Lebensqualität verbesserte sich durch die Behandlung mit Cannabis. Rund 60 Prozent der Patienten, die ihre Lebensqualität zuvor als "schlecht" oder "sehr schlecht" eingestuft hatten, sagten nach sechs Monaten, sie sei nun "gut" oder "sehr gut".

Weniger Opioide verschrieben

Daneben verschrieben die behandelnden Ärzte weniger andere Medikamente, darunter auch Opioide. Rund 18 Prozent der Probanden verzichteten sogar ganz auf Opioid-Schmerzmittel oder reduzierten zumindest ihre Dosis. "Wir konnten nachweisen, dass die Behandlung der Senioren mit medizinischem Cannabis die Schmerzen deutlich lindert, die Lebensqualität verbessert und kaum Nebenwirkungen besitzt", erklärt Victor Novack, der Seniorautor der Studie vom Soroka Cannabis Clinical Research Institute. Nur wenige Patienten berichteten von Schwindel und Mundtrockenheit.

Nachfrage nach Cannabis steigt in Deutschland enorm

Cannabis ist in Deutschland erstattungsfähig, wenn ein Arzt es verschreibt. Die Voraussetzung ist, dass die Wirkstoffe aus der Hanfpflanze die Symptome lindern und den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen können. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für Fertigarzneimittel auf Cannabisbasis, aber auch für getrocknete Cannabisblüten, wenn sie therapeutisch notwendig sind.

Seit der Freigabe des medizinischen Cannabis für Schwerkranke kletterte die Nachfrage enorm, wie aktuelle Zahlen des Apothekerverbands ABDA zeigen: Im Jahr 2017 seien schon rund 44.000 Einheiten Cannabisblüten auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen an die Patienten abgegeben worden – Tendenz weiter steigend.

Was es zu beachten gibt

Der Cannabisbedarf wird derzeit noch durch Importe gedeckt, vor allem aus Kanada und den Niederlanden. Angedacht ist aber auch ein staatlich kontrollierter Anbau des Hanfs. Eine Cannabisagentur unter dem Dach des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) schreibt Aufträge an Unternehmen aus. Verboten bleibt der Eigenanbau von Cannabis. Nicht zuletzt, weil die Qualität und Dosierung so nicht sichergestellt werden könne, argumentiert das BfArM.
Um weitere Erkenntnisse über die Wirkung von Cannabis zu gewinnen, wird eine Begleiterhebung durchgeführt. Ärzte übermitteln dabei Daten, etwa zur Diagnose, Therapie, Dosis und Nebenwirkungen anonymisiert an das BfArM. So will die Behörde Informationen zum langfristigen Gebrauch von Cannabis zu medizinischen Zwecken sammeln. Die Teilnahme an dieser Begleitstudie ist Pflicht für alle Patienten, die Cannabis als Extrakt oder in getrockneter Form auf Rezept erhalten möchten. Andernfalls übernehmen die Kassen die Kosten nicht.

Quellen:

Abusahira, R. et al.: Epidemiological characteristics, safety and efficacy of medical cannabis in the elderly. European Journal of Internal Medicine (März 2018)

Online-Information der Selbsthilfevereinigung AMSEL e.V.: www.amsel.de (Abrufdatum: 19.3.2018)

Pressemitteilung des Bundesministeriums für Gesundheit: www.bundesgesundheitsministerium.de (19.1.2017)

*Quelle: www.onmeda.de

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