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Forschung

Begleiterkrankungen bei MS verstärken Schmerzen

7 Minuten

Veröffentlicht am 04.05.2018 von Onmeda

Menschen mit multipler Sklerose haben oft vielfältige Begleiterkrankungen, die den Körper und die Psyche belasten. Diese wiederum erhöhen laut einer aktuellen Studie das Risiko, verstärkt unter Schmerzen zu leiden.

Stacheldraht mit Himmel im Hintergrund

Eine multiple Sklerose (MS) ist eine Erkrankung der Nerven, die zahlreiche weitere Beschwerden nach sich ziehen kann. Viele MS-Patienten erleben psychische Begleiterkrankungen wie Depressionen und Angstzustände. Die häufigsten körperlichen Erkrankungen, die mit MS einhergehen, sind Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes, Herzkrankheiten und chronische Atemwegserkrankungen, etwa eine COPD.

Dies gilt unabhängig davon, unter welcher Form der MS die Patienten leiden – ob schubförmig oder fortschreitend. Und diese zusätzlichen Erkrankungen erhöhen wiederum das Risiko, verstärkt unter Schmerzen zu leiden. Dies berichtet ein Forscherteam aus Dänemark und den Niederlanden im Fachblatt Journal of Pain Research.

Bei vielen MS-Patienten leidet die Seele mit

Die Forscher wollten wissen, ob sich anhand bestimmter Begleiterkrankungen die Schmerzintensität und die Auswirkungen der Schmerzen auf den Alltag von MS-Patienten vorhersagen lassen. Die Studienteilnehmer hatten alle – wie mehr als die Hälfte aller MS-Patienten – Anzeichen von kognitiven Störungen. In diesem Fall ist es für Erkrankte besonders schwierig, genaue Angaben zur Art, Qualität und Intensität der Schmerzen auf einem Fragebogen zu machen.

An der Untersuchung nahmen 94 Patienten mit multipler Sklerose und 80 Probanden als Kontrollgruppe teil, die nicht daran erkrankt sind. Vergleichbar waren sie hinsichtlich ihrer Begleiterkrankungen, ihren kognitiven Funktionen, des Alters, der Schmerzen und ihrer psychischen Gesundheit. Die Forscher durchforsteten zunächst die Krankenakten der MS-Patienten. Am häufigsten fanden sie Angaben zu Depressionen und Angststörungen. Daneben filterten sie 47 weitere Begleitkrankheiten aus den Patientenakten heraus.

Vielfalt an Tests

Zur Beschreibung ihrer Schmerzen sollten die Probanden verschiedene Wörter auf einer Liste auswählen, welche ihre Schmerzen am besten charakterisieren. Außerdem setzten sie eine visuelle Skala ein, auf der sie ihre Schmerzstärke einstufen sollten – von "kein Schmerz" bis hin zu "stärkste vorstellbare Schmerzen". Daneben legten die Forscher Zeichnungen von Gesichtern vor. Auf diesen waren Gesichtsausdrücke zu sehen, denen sich bestimmte Schmerzintensitäten zuordnen lassen. Die kognitiven Funktionen wie Gedächtnis, Denken oder Handeln überprüften die Forscher mittels verschiedener neuropsychologischer Tests.

Wechselwirkungen auf der Spur

Die Forscher fanden zweierlei heraus: Zum einen gaben MS-Patienten mit einer Anfälligkeit für kognitive Störungen deutlich häufiger seelische Leiden wie Depressionen oder Angstzustände an als die Probanden aus der Kontrollgruppe. Diese psychischen Erkrankungen seien sowohl mit der Schmerzintensität als auch den Auswirkungen der Schmerzen auf den Alltag eng verknüpft, vermuten die Forscher: Sie würden die Schmerzen verstärken.

Zum anderen würden körperliche Begleiterkrankungen lediglich Rückschlüsse darauf zulassen, dass sich Schmerzen auf den Alltag auswirken. Sie erlaubten aber keine Rückschlüsse auf die Intensität der Schmerzen. Ein möglicher Grund dafür ist offenbar, dass sowohl die körperliche Begleiterkrankung als auch die erlebten Schmerzen Stress bedeuten, der den Alltag der MS-Patienten zusätzlich negativ beeinflusst. "Körperliche und seelische Begleiterkrankungen sowie die Auswirkungen der Schmerzen auf den Lebensalltag können das Leiden der MS-Patienten verstärken", vermuten die Studienautoren.

Bedarf an besserer Schmerz-Behandlung

Forscher wissen schon länger, dass Schmerzen Stress erzeugen, wenn sie nicht angemessen behandelt werden. Die Studie zeigt auch, dass die MS-Patienten deutlich häufiger Schmerzmittel – wie zum Beispiel Cannabis – einnehmen als die Kontrollgruppe.

Die verschiedenen Aspekte der Schmerzen richtig einzuschätzen sei komplex, bestätigen die Forscher. Dies gelte besonders für MS-Patienten, die anfällig für kognitive Störungen seien. Die Wissenschaftler sehen die Erkenntnisse ihrer Studie als Hilfestellung für den Praxisalltag: "Unsere Ergebnisse erleichtern es Ärzten eventuell, die Schmerzen besser zu beurteilen, einzustufen und zu behandeln."

Eine Einschränkung der Studie sei, dass es keine Unterscheidung zwischen den verschiedenen Formen der multiplen Sklerose gegeben habe. Ebenso seien Parameter wie das Ausmaß der Behinderungen oder die Dauer der MS-Erkrankung nicht für alle Patienten verfügbar gewesen.

Quellen:

Scherder, R. et al.: Psychiatric and physical comorbidities and pain in patients with multiple sclerosis. Journal of Pain Research (Februar 2018)

*Quelle: www.onmeda.de

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