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Steffi B., MS-Betroffene, 42 Jahre

Steffi B.

Schwerbehindertenausweis: Oh Gott, jetzt habe ich es schriftlich!

9 Minuten

Veröffentlicht am 11.06.2018 von Steffi B.

Hallo Ihr Lieben! Heute könnt Ihr Euch mit mir auf den Weg machen, um einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen. Die Entscheidung, diesen zu beantragen, fiel bei mir schon relativ früh. Durch meinen Job und die Erkrankung von meinem Papa hatte ich schon einiges über den Schwerbehindertenausweis gehört: dass man Steuererleichterungen hat, es später bei der Rente hilfreich ist, in Schwimmbädern, Freizeitparks etc. weniger Eintritt bezahlen braucht und ab 50 Prozent mehr Urlaubstage bekommt. Das kam mir doch alles sehr sinnvoll vor. Jetzt das Aber: Wie mache ich das? Wo gibt es den Ausweis – und kann ich ihn wirklich gebrauchen? Ich habe doch „nur“ MS.

Wie beantrage ich den Schwerbehindertenausweis? Die MS-Nurse hilft weiter

Als Erstes habe ich meine MS-Nurse angerufen, um zu erfahren, wie ich überhaupt vorgehen muss. Zuständig für den Antrag auf Schwerbehindertengrad ist das Versorgungsamt. Welches bzw. wo das zuständige Versorgungsamt ist, weiß Herr Google: Einfach Bundesland und die nächstgrößere Stadt eingeben und schon habt Ihr das für Euch zuständige Amt. Lasst Euch nicht irritieren, das Ganze nennt sich auch Amt für Versorgung und Soziales. Nachdem ich das für mich zuständige Amt gefunden hatte, rief ich dort an und fragte nach dem Antrag auf Behindertengrad und den Schwerbehindertenausweis. Das eine ergibt sich aus dem anderen. Die Dame am Telefon war sehr freundlich und hilfsbereit, was leider nicht immer selbstverständlich ist – vor allem wenn man selbst keine Ahnung hat. Ein paar Tage später hatte ich den Antrag im Briefkasten.

Broschüre Schwerbehindertenausweis

Muss man dafür studieren?

Das Ausfüllen ist wie bei fast allen Anträgen: Manche Dinge sind ganz einfach, für andere muss man studiert haben oder Beamter sein – und für den Rest braucht Ihr den Neurologen und oder die MS-Nurse. Die genaue Auflistung des Krankheitsverlaufs und die dazugehörigen Ärzte füllt Ihr am besten gar nicht aus. Das macht dann der Arzt für Euch und wenn nicht, setzt sich das Versorgungsamt mit ihnen in Verbindung. Dann dauert die Bearbeitung zwar etwas länger, dafür macht Ihr nichts falsch. Und nein, Leute: Ihr habt zwar was im Kopf, was da nicht hingehört, das sind die Entzündung von der MS, aber kein Totalschaden, der Euch nicht verstehen lässt, was Ihr da lest und ausfüllen sollt. Dass manches so kompliziert ist, liegt am Fachchinesisch. Holt Euch Hilfe! Wie gesagt vom Neurologen, der MS-Nurse oder auch dem Hausarzt, dem VDK oder einfach von Leuten, die schon einen haben. Redet darüber! Da draußen laufen so viel mehr Menschen mit einem Schwerbehindertenausweis herum, als man denkt, und denen man es nicht ansieht. Wenn man noch nicht so viel mit dem Thema zu tun hatte, denkt man, den bekommen nur Menschen, denen es so richtig schlecht geht. Auch mir ging es so, auch ich habe mir Gedanken gemacht, ob ich den Ausweis bekomme und ob ich ihn wirklich brauche. So ein großes Handicap habe ich schließlich nicht und es geht doch auch ohne!

Ihr habt keinen Totalschaden – das Fachchinesisch macht es so kompliziert.

Es wird schon schiefgehen

Aber – ich habe den Antrag dann doch weggeschickt. Ab da hieß es warten. In dem Schreiben vom Versorgungsamt mit dem Antrag lag auch noch ein Hinweisblatt dabei, extra in einer anderen Farbe, damit man es auch gut sieht. Sinngemäß stand darauf, dass die Bearbeitung dauern kann und dass man erst gar nicht dort anrufen braucht, um nachzufragen, welchen Bearbeitungsstatus der Antrag denn hat. Also lief ich tatsächlich wochenlang zum Postkasten.

Hurra – das Schreiben ist da!

Endlich ein Schreiben vom Versorgungsamt. Diese „offiziellen“ Briefe erkennt man irgendwie immer sofort, noch bevor man nachschaut und egal, wie viel Werbung, Rechnungen und anderer Kram da im Postkasten sind, die fallen einfach auf. Aber irgendwie fühlt sich das ganze komisch an. Foto hatte ich gleich mitgeschickt, auf den Ausweis muss ja eins drauf, ich konnte ihn aber nicht fühlen. Geht es Euch manchmal auch so, dass Euch solche Gedanken durch den Kopf gehen? Dass man dann auch noch denkt: ,,Och nö, da ist eine Absage drin!” Weil es sich ja nicht so anfühlt, wie man denkt, dass es sich anfühlen müsste, anstatt dass man den Brief einfach aufmacht und nachsieht?!

Oh Gott, jetzt habe ich es schriftlich

Nun das habe ich dann auch getan. Ihn aufgemacht und nachgesehen und – tata, ein Schwerbehindertengrad von 40 Prozent. Ich wusste am Anfang nicht, ob ich mich freuen oder ärgern sollte. Auf Anhieb 40 Prozent sind echt gut, aber „mehr“ hat man halt, wenn dieses kleine grüne Plastikkärtchen dabei ist. Das bekommt man aber erst ab 50 Prozent. Nun gut, die Freude überwog dann doch. Zum einen, weil es überhaupt geklappt hat und dann auch noch, weil das Ganze unbefristet ist. Das heißt, man braucht den Antrag nicht immer wieder neu stellen. Das gibt es auch bei Erkrankungen, die sich wieder bessern können. Bei uns MSlern wird es ja leider, wenn es doof läuft, immer schlimmer. So auch bei mir. Ich stellte ein Jahr später einen Verschlechterungsantrag. Der Weg ist der gleiche wie beim ersten Antrag. Beantragen, ausfüllen, wegschicken, warten. Heute bin ich Besitzer eines unbefristeten Schwerbehindertenausweis mit 50 Prozent. Eine kleine grüne Karte inklusive Foto, mit der jeder, der es wissen will, sieht: von Amts wegen behindert (grins, manche Dinge sind nur mit Humor zu ertragen).

Wenn Ihr Euch dafür entscheidet, den Antrag zu stellen, drück ich Euch die Daumen, dass alles klappt und Ihr bei den ganzen Formularen nicht verzweifelt!

Macht’s gut und danke!
Eure Steffi

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