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Heike, MS-Betroffene, 56 Jahre

Heike

Meine Aufenthalte in MS-Kliniken

7 Minuten

Veröffentlicht am 11.09.2018 von Heike

Zu Beginn meiner Erkrankung habe ich nicht gewusst, dass es so etwas wie MS-Kliniken gibt. Und es ist sehr gut, dass es sie gibt. Sie sind im Notfall niedrigschwellig zu erreichen, das heißt mit einer Einweisung durch den Neurologen. Ich möchte Euch hier von meinen Eindrücken und Erfahrungen berichten, die ich während meiner Aufenthalte in zwei MS-Kliniken gemacht habe.

Die Klinik am Starnberger See

Mein Neurologe hatte mich im Sommer 2015 in eine MS-Klinik überwiesen, weil es mir zu dieser
Zeit sehr schlecht ging und man zusehen konnte, wie sich fast täglich meine Fähigkeiten abbauten.

Die Klinik, in die ich ging, befindet sich am Starnberger See in Bayern. Landschaftlich sehr schön gelegen und den See kann man vom Klinikpark aus sehen. Nachdem ich das gehört hatte, wollte ich etwas durch den Park spazieren, um den See zu sehen. Das Ergebnis: Nach wenigen Schritten lag ich auf dem Weg und musste mir beim Aufstehen helfen lassen.

Ich hatte Glück, denn der Chefarzt meiner Station war ein sehr guter Arzt. Ich fühlte mich wirklich gut aufgehoben und konnte beim Aufnahmegespräch mit ihm das erste Mal nach Jahren meinen Frust loswerden – ich weinte. Er hat mir dann eine gute Psychotherapeutin vermittelt, die mit mir eine Traumatherapie machte. Dadurch kam endlich die akute Krankheitsverschlechterung zum Stillstand.

Ein für mich „schlimmes Elend“ hat mich im Speisesaal erwartet: viele Patienten im Rollstuhl, ein Großteil mit Lätzchen um den Hals und einige Patienten, die Hilfe brauchten beim Essen. Es tat schon weh zu sehen, wie die MS Menschen hilflos machen kann. Dies wurde mir das erste Mal richtig bewusst.

Später habe ich erfahren, dass die Patienten in verschiedenen Stationen untergebracht waren, je nach Schwere der Erkrankung. Auf meiner Station waren „mittelschwere“ Erkrankungen, aber es kamen auch einige leichter betroffene Patienten wegen des guten Chefarztes gern auf diese Station.

MS-Patientin Heike klettet an einer Kletterwand

Meine zweite Station: eine Klinik im Sauerland

Im Sommer 2017 wurde ich in eine Klinik im Sauerland eingewiesen. Am ersten Tag dachte ich, es gibt hier nichts. Nur Wiesen und Bäume und eine Klinik. Diese war zwar baulich etwas moderner als die Klinik am Starnberger See, dafür gab es aber wenig Infrastruktur im Umfeld. Doch in dieser Klinik gab es ein paar spannende Therapieansätze: ein modernes Laufband zur Ganganalyse sowie eine spezielle Kletterwand für Behinderte.

Mein Therapieziel war die Verbesserung des Gangbildes, und daran arbeitete ich hart. Das Problem war für mich, dass mein von der MS weniger betroffene Fuß ständig durch das schlechte Gangbild überlastet war.

Die Fortschritte, die ich in der Klinik erzielte, waren erstaunlich. Ich wurde stabiler und lernte besser mit meinen Gehschwierigkeiten umzugehen.

Abends trafen sich die Patienten zum Spielen. Dies war quasi die erweiterte Ergotherapie. Natürlich konnte man auch lesen, spazieren gehen und vieles mehr – je nach Gusto.

Mein Fazit

Beide Spezialkliniken kann ich nur empfehlen, doch es gibt lange Wartelisten. Im Akutfall ist aber eine schnellere Aufnahme möglich.

Ich persönlich möchte wieder in die Klinik im Sauerland fahren, unter anderem weil der Anreiseweg für mich dorthin nicht so weit ist. Dadurch ist es für meine Angehörigen einfacher, mich während des Klinikaufenthaltes zu besuchen.

Ein weiterer Vorteil – wenn auch ein sehr persönlicher – ist die fehlende Sprachbarriere. Da ich ja aus Ostdeutschland stamme, fühle ich mich mit dem Norddeutschen eher verbunden. Ich habe in beiden Kliniken sehr nette Leute kennengelernt, aber die bayerische Sprache und Mentalität ließen mich manchmal etwas fremd vorkommen. Aber dies ist mein ganz persönlicher Eindruck.

Es ist toll, dass während des Aufenthaltes in einer MS-Klinik, die Krankheit genau analysiert und dokumentiert wird. So kann beim nächsten Aufenthalt die Veränderung des Gesundheitszustandes festgestellt werden. Außerdem bekommt man bei jedem Klinikaufenthalt Übungen für zu Hause mit, sodass man auch selbst etwas tun kann und die Krankheit ein bisschen geärgert wird.
Also, egal, welche Klinik Ihr wählt: Ich kann Euch einen Aufenthalt in einer MS-Klinik nur weiterempfehlen.
Ich hoffe, dieser Artikel hat Euch etwas geholfen. Damit möchte ich mich für heute von Euch verabschieden.

Bis bald

Eure Heike

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