Zurück

Lara, MS-Betroffene, 24 Jahre

Betroffene

Die ersten Stunden mit MS

8 Minuten

Veröffentlicht am 15.09.2017  von  Lara

„Schatz, irgendetwas stimmt nicht. Ich sehe doppelt?“, tausend Fragen waren in meinem Kopf, ein mulmiges Gefühl machte sich breit. Meine MS zeigte sich zum ersten Mal, aber ich war nicht vorbereitet. Daher habe ich so weitergemacht wie sonst und dachte: „Wird schon wieder weggehen“.

Weg ging es aber nicht. Also hat mich meine Mama nach einigen Tagen Doppelbildersehen ins Auto gepackt und mich zum Augennotarzt gebracht. Dieser diagnostizierte sofort, dass meine Doppelbilder neurologischer Natur sind und schickte uns erst in eine Augenklinik zum Gegencheck. Später ging es in die Notaufnahme. Viele Stunden haben wir in der Notaufnahme verbracht. Stunden, in denen ich mir viele Gedanken machte. Was passiert in meinem Körper? Geht das wieder weg?

Ich wurde nachts aufgenommen und vorgewarnt, dass mir Nervenwasser entnommen würde. Da saß ich nun ganz allein auf meinem Krankenbett. Ich war sehr aufgeregt und wusste nicht so recht, wohin mit mir. Ich hatte Glück mit meinen Ärzten, Pflegerinnen und Pflegern. Sie haben mich auf alles gut vorbereitet: Tests, Infusionen, MRT … Dank ihnen war alles halb so wild!

Und dann ging es ziemlich schnell …

Aufgrund meiner Befunde und Symptome konnten die Ärztinnen und Ärzte sich schnell auf eine Diagnose festlegen: Ich habe Multiple Sklerose. Okay, und jetzt? Mich musste jemand darüber aufklären. In diesem Moment hat es sich angefühlt als hätte irgendjemand mir einen Schlag ins Gesicht verpasst. Ich habe mich benommen gefühlt und konnte nicht realisieren, was sich gerade vor meinen Augen abspielt (und das auch noch doppelt).

Klar, Multiple Sklerose beziehungsweise MS hatte ich schon einmal gehört, aber richtig zuordnen konnte ich es nicht. Die Ärzte haben mich darüber informiert, was MS ist und was im Körper passiert. Sie erklärten, was ich in Zukunft beachten muss und, dass MS unheilbar ist.

Nicht heilbar? Ich, chronisch krank?

Ich bekam verschiedene Broschüren in die Hand und vorsichtig machten die Ärzte mir klar, ich solle nicht zu sehr im Internet recherchieren. Diese Aussage habe ich für mich so übersetzt, dass es wohl auch Formen der MS gibt, die sehr einschränkend sind. Das kann im ersten Moment Angst machen. Heute ist mir bewusst: MSler sind nicht über einen Kamm zu scheren. Jede MS kann sich anders entwickeln und ist nicht vergleichbar. Nicht jedem MSler ist automatisch eine Zukunft im Rollstuhl vorgegeben. Das war übrigens mein zweiter Gedanke nach der Diagnose.

Nachdem meine Kortisonbehandlung und weitere Tests abgeschlossen waren, konnte ich pünktlich zu meinem 22. Geburtstag entlassen werden. Rückblickend bin ich sehr dankbar, dass meine Diagnose schnell gestellt worden ist. Nach umfassenden und informativen Gesprächen mit meinem Neurologen und meiner MS-Nurse, habe ich mich für eine Basistherapie entschieden. Mein Körper konnte direkt die Unterstützung erhalten, die er benötigt.

Mann und Frau halten Händchen

Ein Strauß Blumen

Von meiner Familie und meinem Lebenspartner bekam ich psychische Unterstützung.

Ich schätze mich glücklich, solch eine Zuwendung zu erhalten. Gerade in diesen Momenten ist es wichtig, positiv nach vorne zu blicken. Für mich war von Anfang an klar, dass die MS meine Ziele und Wünsche nicht verändern wird. Es ist eine chronische Krankheit, das stimmt. Mit den Mitteln heutzutage ist es aber viel einfacher, die MS in das Leben eines jungen Menschen zu integrieren.

Für mich war von Anfang an klar, dass die MS meine Ziele und Wünsche nicht verändern wird.

Mithilfe meines sozialen Umfelds, meiner MS-Nurse und meiner Eigenrecherche habe ich mir die Angst genommen vor dem, was kommen kann. Keiner kann mir eine Antwort geben, wie oder was in Bezug auf die MS passieren wird. Es gibt aber hilfreiche Tipps und Tricks, die das Leben trotz MS angenehmer machen. Diese möchte ich mit Euch teilen!

Ich möchte anderen Menschen Mut machen.

Die MS bedeutet nicht das Ende vom Leben. Ich habe viele liebe Menschen durch die Krankheit kennengelernt. Ich habe gelernt meinen Körper zu verstehen. Ich gehe positiver, achtsamer und dankbarer durch das Leben. Das möchte ich auf keinen Fall missen! Na klar, ohne MS wäre es mir auch lieber, aber ich kann mich prima arrangieren und weiterhin mein Leben genießen. Eine Plattform wie diese bietet für mich die Möglichkeit, meine Erfahrungen weiterzugeben. Für Dich ist es eine Gelegenheit, eventuell Neues zu erfahren, Meinungen auszutauschen, Fragen zu beantworten und Kraft zu schöpfen. Dabei möchte ich alle Beteiligten auf so einer MS-Reise ansprechen: Betroffene, die gerade ihre ersten Stunden mit MS durchleben, Angehörige und Freunde, die nach einer Antwort suchen und Partner, die einfach besser verstehen möchten. Gerne möchte ich Euch eine Hilfe sein und über alle Facetten der MS informieren.

Eure Lara

Deine Empfehlungen